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Alle Weihnachtserzählungen

Inhalt

Ein Weihnachtslied in Prosa

A Christmas Carol in Prose

Die Silvesterglocken

The Chimes

Das Heimchen am Herd

The Cricket on the Hearth

Der Kampf des Lebens

The Battle ofLife

Der heimgesuchte Mann

The Haunted Man

Anmerkungen

Ein Weihnachtslied in Prosa

Eine Geistergeschichte zum Weihnachtsfest

Erste Strophe

Marleys Geist

Marley war tot, das gleich zu Anfang. Darüber besteht nicht der geringste Zweifel. Die Bestattungsurkunde war vom Geistlichen, vom Standesbeamten, vom Leichenbestatter und dem Hauptleidtragenden unterschrieben. Scrooge hatte sie unterzeichnet. Und Scrooges Name war auf der Börse für jede Sache gut, unter die er seine Unterschrift setzte.

Der alte Marley war tot wie ein Türnagel.

Wohlgemerkt, ich will nicht behaupten, daß ich genau wüßte, was man unter tot wie ein Türnagel versteht. Ich wäre eher geneigt, einen Sargnagel als den unbelebtesten Gegenstand aller Eisenwaren anzusehen. Aber die Weisheit unserer Vorfahren steckt in diesem Vergleich; und ich möchte ihn nicht mit meinen ungeweihten Händen zerstören, sonst geht unser Land zugrunde. Gestatten Sie mir deshalb, mit allem Nachdruck zu wiederholen, daß Marley tot wie ein Türnagel war.

Wußte Scrooge, daß er tot war? Selbstverständlich. Wie sollte er nicht? Scrooge und er waren ich weiß nicht wie viele Jahre Partner gewesen. Scrooge war sein einziger Testamentsvollstrecker, sein einziger Nachlaßverwalter, sein einziger Rechtsnachfolger, sein einziger Nachvermächtnisnehmer, sein einziger Freund und der einzige um ihn Trauernde. Doch nicht einmal Scrooge war über das traurige Ereignis so tief betrübt, daß er nicht sogar am Tag der Beerdigung ein tüchtiger Geschäftsmann gewesen wäre und ihn mit einem wirklich guten Geschäft feierlich begangen hätte.

Die Erwähnung von Marleys Begräbnis führt mich auf meinen Ausgangspunkt zurück. Es besteht kein Zweifel, daß Marley tot war. Das muß als sicher angenommen werden, ansonsten kann aus der Geschichte, die ich jetzt erzählen möchte, nichts Wunderbares hervorgehen. Wenn wir nicht vollkommen überzeugt wären, daß Hamlets Vater gestorben war, bevor das Stück begann, wäre sein nächtlicher Bummel, den er bei Wind von Osten her über seinen Festungswall macht, nicht bemerkenswerter, als wenn irgendein Herr in mittleren Jahren nach Einbruch der Dunkelheit hastig zu einem luftigen Ort hinauszieht – sagen wir zum Beispiel, auf den St.-Pauls-Friedhof –, um das schwache Gemüt seines Sohnes buchstäblich in Furcht zu versetzen.

Scrooge ließ niemals den Namen des alten Marley übermalen. Noch Jahre später stand über der Geschäftstür: Scrooge & Marley. Die Firma war als Scrooge & Marley bekannt. Manchmal nannten Leute, denen das Geschäft vorher unbekannt war, Scrooge Scrooge und manchmal Marley, aber er reagierte auf beide Namen. Für ihn war es dasselbe.

Oh, was war er doch für ein Geizkragen! Scrooge, dieser habsüchtige alte Sünder, der das Geld aus anderen herauspreßte und an sich riß, der es zusammenkratzte und krampfhaft festhielt. Er war hart und scharf wie ein Feuerstein, aus dem kein Stahl jemals auch nur einen Funken Großzügigkeit herausgeschlagen hatte. Er war so verschwiegen, verschlossen und einsiedlerisch wie eine Auster. Die innere Kälte ließ seine alten Gesichtszüge erstarren und die Wangen runzlig werden, zwickte ihm in die spitze Nase und machte ihn steifbeinig. Sie ließ seine Augen rot und die dünnen Lippen blau werden und kam deutlich in seiner krächzenden Stimme zum Ausdruck. Rauhreif überzog Kopf und Augenbrauen sowie sein kantiges Kinn. Er trug seine niedrige Temperatur ständig mit sich herum; er kühlte während der Hundstage sein Büro und erwärmte es auch nicht um ein Grad in der Weihnachtszeit.

Äußere Hitze oder Kälte hatten auf Scrooge wenig Einfluß. Weder Wärme konnte ihm das Herz erwärmen noch winterliches Wetter ihn entmutigen. Kein Wind war rauher als er, kein Schneeschauer mehr auf seine Absicht bedacht, kein Regenguß einer dringenden Bitte gegenüber weniger aufgeschlossen. Schlechtes Wetter konnte ihm nie etwas anhaben. Der heftigste Regen, Schnee, Hagel oder Graupel konnte sich nur in einer Hinsicht rühmen, überlegen zu sein. Sie gingen oft verschwenderisch hernieder, er zeigte sich niemals so.

Niemand hielt ihn auf der Straße an und fragte mit freundlichem Blick: „Lieber Mr. Scrooge, wie geht es Ihnen? Wann kommen Sie mich besuchen?“ Kein Bettler flehte ihn an, ihm eine Kleinigkeit zu schenken. Kein Kind fragte ihn, wie spät es sei. Nicht ein einziges Mal wurde Scrooge von einem Mann oder einer Frau gefragt, wie man zu diesem oder jenem Ort gelange. Selbst die Blindenhunde schienen ihn zu kennen. Wenn sie ihn herankommen sahen, zerrten sie ihre Besitzer in Hauseingänge hinein oder die Gasse hinauf. Dann wedelten sie mit dem Schwanz, als wollten sie sagen: „Es ist besser, gar keine Augen zu haben als böse, blindes Herrchen!“

Aber was kümmerte das Scrooge! Das war es gerade, was ihm gefiel. Weil er sich seinen Weg durchs Leben bahnte, indem er menschliches Mitgefühl nicht zu nahe an sich heranließ, wurde er von den Eingeweihten ein verrückter Kerl genannt.

Einst saß der alte Scrooge an einem der schönsten Tage des Jahres, einem Heiligabend, geschäftig in seinem Büro. Das Wetter war rauh, bitter kalt und obendrein neblig. Er konnte hören, wie die Leute draußen auf dem Hof keuchend auf und ab gingen, sich mit den Händen gegen die Brust schlugen und mit den Füßen auf das Pflaster stampften, um sie zu erwärmen. Die Uhren in der Stadt hatten gerade erst drei geschlagen, aber es war schon ziemlich dunkel – es war den ganzen Tag über nicht hell geworden –, und in den Fenstern der umliegenden Büros flackerten Kerzen wie rötliche Fettflecke in der dicken, braunen Luft. Der Nebel drang zu jedem Ritz und Schlüsselloch herein und war draußen so dicht, daß die gegenüberliegenden Häuser nur schemenhaft zu sehen waren, obwohl der Hof zu einem der engsten gehörte. Wenn man sah, wie sich die schmutzige Wolke herabsenkte und alles verdunkelte, konnte man denken, Mutter Natur lebe ganz in der Nähe und braue in großem Umfang.

Die Tür von Scrooges Büro stand offen, damit er ein Auge auf seinen Angestellten werfen konnte, der in einer traurigen kleinen Zelle nebenan, einer Art Kasten, saß und Briefe abschrieb. Bei Scrooge brannte ein sehr kleines Feuer, bei dem Angestellten aber ein noch viel kleineres, daß es wie eine einzige Kohle aussah. Er konnte jedoch nichts nachlegen, weil Scrooge die Kohlenkiste in seinem Raum aufbewahrte. Sobald der Angestellte mit der Schaufel hereinkam, gab ihm sein Herr zu verstehen, daß sich ihre Wege trennen müßten. Daraufhin legte sich der Angestellte sein weißes Wolltuch um den Hals und versuchte, sich an der Kerze aufzuwärmen. Da er aber keine große Phantasie besaß, gelang ihm das nicht.

„Frohe Weihnachten, Onkel! Gott segne dich!“ rief eine vergnügte Stimme. Es handelte sich um die Stimme von Scrooges Neffen, der so schnell auf ihn zukam, daß sie das erste Anzeichen seines Kommens war.

„Pah!“ sagte Scrooge, „Unsinn!“

Scrooges Neffe hatte sich beim raschen Laufen im Nebel und Frost dermaßen erhitzt, daß er nur so glühte. Sein hübsches Gesicht war gerötet, die Augen funkelten, und beim Atmen stieß er Dampfwolken aus.

„Weihnachten ein Unsinn, Onkel?“ sagte Scrooges Neffe. „Das meinst du sicher nicht so.“

„Doch“, sagte Scrooge. „Frohe Weihnachten! Welches Recht hast du, froh zu sein? Welchen Grund hast du, froh zu sein? Du bist arm genug.“

„Aber geh“, erwiderte der Neffe fröhlich. „Welches Recht hast du, traurig zu sein? Welchen Grund hast du, verdrießlich zu sein? Du bist doch reich genug.“

Da Scrooge im Moment keine bessere Antwort zur Hand hatte, sagte er wieder „Pah!“ und fügte noch „Unsinn!“ hinzu.

„Sei nicht ärgerlich, Onkel!“ sagte der Neffe.

„Was kann ich sonst sein“, erwiderte der Onkel, „wo ich in einer Welt voller Narren lebe? Frohe Weihnachten! Pfui über ‚Frohe Weihnachten‘. Was bedeutet die Weihnachtszeit schon anderes für dich als eine Zeit, in der man Rechnungen ohne Geld bezahlt; in der man ein Jahr älter, aber keinen Deut reicher geworden ist; in der man die Bücher abschließt und sich jeder Posten darin ein Dutzend Monate hindurch als gewinnlos erweist? Wenn es nach mir ginge“, sagte Scrooge aufgebracht, „müßte jeder Idiot, der mit einem ‚Frohe Weihnachten‘ auf den Lippen herumläuft, in seinem eigenen Plumpudding gekocht und mit einem Stechpalmenzweig durchs Herz begraben werden. Das sollte er!“

„Onkel!“ flehte der Junge.

„Neffe“, erwiderte der Onkel ernst, „feiere Weihnachten auf deine Weise und laß es mich auf meine feiern.“

„Feiern!“ wiederholte Scrooges Neffe. „Aber du feierst es ja gar nicht.“

„Überlaß das nur mir“, sagte Scrooge. „Möge es dir viel Gutes bringen! Dir hat es ja immer viel Gutes gebracht!“

„Es gibt viele Dinge, von denen ich Gutes hätte gewinnen können, aus denen ich allerdings keinen Nutzen gezogen habe“, erwiderte der Neffe. „Weihnachten gehört dazu. Aber ganz bestimmt habe ich die Weihnachtszeit, wenn sie herankam – abgesehen von der Ehrfurcht vor ihrem heiligen Namen und Ursprung, falls man überhaupt von dem, was damit verbunden ist, absehen kann –, als eine gute Zeit angesehen, die Zeit der Güte, der Vergebung, der Barmherzigkeit und Freude, die einzige Zeit im Laufe des Jahres, die ich kenne, in der Männer und Frauen einmütig ihre verschlossenen Herzen weit zu öffnen scheinen und an die Menschen unter sich denken, als ob sie wirklich Wandergefährten zum Grabe wären und nicht eine andere Art von Geschöpfen auf anderen Wegen. Und deshalb, Onkel, glaube ich, obwohl sie mir niemals auch nur ein Gramm Gold oder Silber eingetragen hat, daß sie mir Gutes gebracht hat und auch weiterhin bringen wird, und deshalb sage ich: ‚Gott segne sie!‘“

Der Angestellte in seinem Kasten spendete unwillkürlich Beifall. Da er sich sofort der Ungehörigkeit seines Verhaltens bewußt wurde, stocherte er im Feuer und löschte damit den letzten schwachen Funken aus.

„Lassen Sie mich noch einen Ton von Ihnen hören“, sagte Scrooge, „und Sie werden Weihnachten feiern; indem Sie Ihre Stellung loswerden! Sie sind ein recht gewaltiger Redner, Sir“, fügte er, zu seinem Neffen gewandt, hinzu. „Ich wundere mich, warum du nicht ins Parlament gehst.“

„Sei nicht ärgerlich, Onkel. Bitte, komm morgen zu uns zum Essen.“

Scrooge sagte, daß er ihn … ja, wahrhaftig. Er sprach den ganzen Satz aus und sagte, daß er ihn erst an der Schwelle des Todes Wiedersehen wolle.

„Aber warum?“ rief Scrooges Neffe. „Warum?“

„Warum hast du geheiratet?“ fragte Scrooge.

„Weil ich mich verliebt habe.“

„Weil du dich verliebt hast!“ knurrte Scrooge, als ob dies das einzige auf der Welt sei, was noch lächerlicher als eine frohe Weihnacht ist. „Guten Tag!“

„Onkel, du hast mich aber auch nie besucht, bevor das geschah. Warum gibst du es als Grund dafür an, jetzt nicht zu kommen?“

„Guten Tag!“ sagte Scrooge.

„Ich brauche nichts von dir, ich verlange nichts von dir. Warum können wir nicht Freunde sein?“

„Guten Tag!“ sagte Scrooge.

„Es tut mir von ganzem Herzen leid, daß du so unnachgiebig bist. Wir haben doch nie miteinander Streit gehabt. Aber ich habe Weihnachten zu Ehren den Versuch gemacht und lasse mich auch nicht aus meiner Weihnachtsstimmung bringen. Darum: Frohe Weihnachten, Onkel!“

„Guten Tag!“ sagte Scrooge.

„Und ein glückliches neues Jahr!“

„Guten Tag!“ sagte Scrooge.

Trotzdem verließ sein Neffe das Zimmer ohne ein böses Wort. An der äußeren Tür blieb er stehen, um dem Angestellten alles Gute zum Weihnachtsfest zu wünschen, der, so kalt ihm war, mehr Wärme hatte als Scrooge, denn er erwiderte die Wünsche herzlich.

„Das ist auch so ein Bursche“, murmelte Scrooge, der dessen Worte mitgehört hatte, „mein Angestellter, mit fünfzehn Schilling pro Woche und Frau und Kindern, und redet von frohen Weihnachten. Ich werde wohl nach Bethlehem ziehen.“

Dieser Verrückte hatte, als er Scrooges Neffen hinausließ, zwei andere Personen eingelassen. Es waren zwei stattliche Herren von angenehmem Äußeren, die nun – den Hut hatten sie abgenommen – in Scrooges Büro standen. Sie hielten Bücher und Papiere in der Hand und machten eine Verbeugung.

„Scrooge & Marley, nicht wahr?“ sagte einer der Herren und bezog sich auf seine Liste. „Habe ich das Vergnügen, mit Mr. Scrooge oder Mr. Marley zu sprechen?“

„Mr. Marley ist seit sieben Jahren tot“, erwiderte Scrooge. „Er starb auf den Tag genau vor sieben Jahren.“

„Wir zweifeln nicht daran, daß seine Großzügigkeit von seinem überlebenden Partner fortgesetzt wird“, sagte der Herr und zeigte seine Papiere vor.

Das wurde sie; denn sie waren verwandten Geistes gewesen. Bei dem unheilvollen Wort „Großzügigkeit“ runzelte Scrooge die Stirn, schüttelte den Kopf und reichte die Papiere zurück.

„In dieser Festzeit, Mr. Scrooge“, sagte der Herr und nahm eine Feder zur Hand, „ist es mehr denn je wünschenswert, daß man für die Armen und Bedürftigen (die jetzt schwer zu leiden haben) eine Kleinigkeit zur Verfügung stellt. Vielen Tausenden fehlt es am Allernötigsten, Hunderttausende entbehren die bescheidensten Annehmlichkeiten des Lebens, Sir.“

„Gibt es keine Gefängnisse?“ fragte Scrooge.

„Eine Menge Gefängnisse“, sagte der Herr und legte die Feder wieder hin.

„Und die Armenhäuser?“ fragte Scrooge weiter. „Sind sie noch in Betrieb?“

„Ja“, erwiderte der Herr, „allerdings wünschte ich mir, ich könnte nein sagen.“

„Die Tretmühle und das Armengesetz sind auch noch voll wirksam?“ fragte Scrooge.

„Beide nur zu sehr, Sir.“

„Oh, ich fürchtete schon, nach dem, was Sie zuerst sagten, es wäre etwas geschehen, was ihre nützliche Tätigkeit beendet hätte“, sagte Scrooge. „Ich freue mich, das zu hören.“

„Unter dem Eindruck, daß sie der Mehrheit kaum christlichen Trost an Leib und Seele bieten“, erwiderte der Herr, „bemühen sich einige von uns, Geld zu sammeln, damit wir den Armen etwas zu essen und zu trinken sowie warme Kleidung kaufen können. Wir haben diese Zeit gewählt, weil gerade jetzt die Not am stärksten empfunden wird und der Überfluß Freude bereitet. Was darf ich für Sie einsetzen?“

„Nichts!“ erwiderte Scrooge.

„Sie möchten ungenannt bleiben?“

„Ich möchte allein gelassen werden“, sagte Scrooge. „Da Sie mich fragen, was ich wünsche, meine Herren, ist das meine Antwort. Ich bereite mir selbst keine frohen Weihnachten und kann es mir nicht leisten, Faulenzer fröhlich zu machen. Ich unterstütze die Einrichtungen, die ich erwähnt habe. Sie kosten schon genug. Diejenigen, denen es schlecht geht, müssen eben dorthin gehen.“

„Viele können nicht dorthin gehen, und viele würden lieber sterben.“

„Wenn sie lieber sterben würden“, sagte Scrooge, „sollten sie es tun und dadurch den Bevölkerungsüberschuß vermindern. Übrigens – entschuldigen Sie – weiß ich das nicht.“

„Sie sollten es aber wissen“, bemerkte der Herr.

„Das ist nicht meine Angelegenheit“, entgegnete Scrooge. „Es genügt, wenn ein Mann etwas von seinen eigenen Angelegenheiten versteht und sich nicht in die anderer einmischt. Meine beschäftigen mich vollends. Guten Tag, meine Herren!“

Da die Herren einsahen, daß es sinnlos war, ihr Ziel weiterzuverfolgen, zogen sie sich zurück. Scrooge nahm seine Arbeit mit einer besseren Meinung von sich wieder auf und befand sich in einer gehobeneren Stimmung, als das sonst der Fall war.

Inzwischen hatte sich der Nebel so verdichtet und die Dunkelheit so zugenommen, daß die Menschen mit flackernden Kerzen umherliefen und sich anboten, vor den Pferdekutschen her zu laufen und ihnen den Weg zu zeigen. Der ehrwürdige Kirchturm, dessen heisere, alte Glocke durch ein Spitzbogenfenster im Mauerwerk sonst verstohlen auf Scrooge heruntersah, wurde unsichtbar und zeigte die Stunden und Viertelstunden in den Wolken an, wobei hinterher ein Zittern in der Luft hing, als ob dort oben in seinem verfrorenen Kopf die Zähne klapperten. Es wurde immer kälter. In der Hauptstraße, an der Ecke des Hofes, besserten einige Arbeiter die Gasleitung aus. Sie hatten in einer Kohlenpfanne ein großes Feuer angezündet, um das sich eine Gruppe zerlumpter Männer und Jungen scharte, die sich die Hände wärmten und verzückt in die Glut blinzelten. Da der Wasserhahn unbeachtet gelassen worden war, erstarrte das langsam überfließende Wasser und gefror zu menschenfeindlichem Eis. Der Lichtschein aus den Geschäften, wo Stechpalmenzweige mit Beeren in der Hitze der Schaufensterlampen knisterten, warf auf die blassen Gesichter der Passanten einen rötlichen Schimmer. Geflügel- und Feinkosthandel wurden ein großes Vergnügen: ein prächtiges Zurschaustellen, daß es kaum möglich war, zu glauben, derartig öde Prinzipien wie Einkauf und Verkauf hätten irgend etwas damit zu tun. Der Bürgermeister in der Festung seines mächtigen Herrenhaus erteilte seinen fünfzig Köchen und Kellermeistern den Befehl, Weihnachten so zu feiern, wie es dem Haushalt eines Bürgermeisters zukommt, und sogar der kleine Schneider, dem er am vergangenen Montag noch fünf Schilling Geldstrafe wegen Trunkenheit und Rauflust auf der Straße auferlegt hatte, rührte in seinem Dachstübchen den Pudding für den morgigen Tag, während sich seine magere Frau mit dem Baby auf den Weg machte, um den Rinderbraten einzukaufen. Es wurde noch nebliger und noch kälter. Eine durchdringende, schneidende, beißende Kälte. Wenn der gute heilige Dunstan dem bösen Geist mit einem Hauch dieses Wetters um die Nase gefahren wäre, statt die ihm sonst vertrauten Waffen zu gebrauchen, hätte er wahrhaftig ein kräftiges Gebrüll erhoben. Der Besitzer einer kleinen, jungen Nase, die von der hungrigen Kälte angenagt und angeknabbert war wie Knochen von Hunden, bückte sich zu Scrooges Schlüsselloch herab, um ihn mit einem Weihnachtslied zu erfreuen, doch beim ersten Ton von

„Gott segne dich, lieber Herr,

Nichts möge dich erschrecken!“

langte Scrooge mit solchem Schwung nach dem Lineal, daß der Sänger entsetzt die Flucht ergriff und das Schlüsselloch dem Nebel und dem noch verwandteren Frost überließ.

Endlich war die Stunde gekommen, das Büro zu schließen. Unwillig kletterte Scrooge von seinem Stuhl herab und bedeutete diese Tatsache stillschweigend dem wartenden Angestellten, der sofort die Kerze ausblies und den Hut aufsetzte.

„Sie möchten morgen freihaben, nehme ich an“, sagte Scrooge.

„Wenn es Ihnen paßt, Sir.“

„Es paßt mir nicht“, sagte Scrooge, „und es ist nicht gerecht. Wenn ich Ihnen dafür eine halbe Krone abzöge, kämen Sie sich schlecht behandelt vor, möchte ich wetten.“

Der Angestellte lächelte vage.

„Doch Sie finden nicht“, sagte Scrooge, „daß ich schlecht behandelt bin, wenn ich Ihnen für einen Tag, an dem Sie nicht arbeiten, Lohn zahle.“

Der Angestellte wandte ein, daß es doch nur einmal im Jahr sei.

„Eine armselige Entschuldigung dafür, einem Mann an jedem fünfundzwanzigsten Dezember das Geld aus der Tasche zu locken!“ sagte Scrooge und knöpfte den Mantel bis zum Kinn zu. „Aber vermutlich brauchen Sie den ganzen Tag. Seien Sie am nächsten Morgen um so zeitiger hier.“

Der Angestellte versprach es, und Scrooge ging knurrend hinaus. Das Büro war im Nu geschlossen, und der Angestellte, dem die langen Enden seines weißen Schals bis zur Taille herabbaumelten (einen Mantel besaß er nicht), schlitterte zu Ehren des Weihnachtsabends zwanzigmal am Ende einer Schlange von Jungen die Cornhill entlang, und dann rannte er, so schnell er nur konnte, nach Camden Town heim, um Blindekuh zu spielen.

Scrooge nahm sein trauriges Abendessen wie gewöhnlich in seinem traurigen Gasthaus ein, und nachdem er sämtliche Zeitungen gelesen und den Rest des Abends mit seinem Kontobuch verbracht hatte, machte er sich auf den Heimweg, um schlafen zu gehen. Er bewohnte die Zimmer, die früher seinem verstorbenen Partner gehört hatten. Es war eine düstere Flucht von Räumen in einem zusammenfallenden Gebäude neben dem Hof, wo es so wenig hinpaßte, daß man kaum umhinkonnte, sich vorzustellen, es müsse, als es noch ein junges Haus war, beim Versteckspielen mit anderen Häusern dorthin gelaufen sein und nicht mehr zurückgefunden haben. Jetzt war es allerdings alt und trostlos, denn außer Scrooge wohnte niemand mehr darin. Die anderen Räume waren als Büros vermietet. Der Hof war so dunkel, daß sich selbst Scrooge, der dort jeden Stein kannte, mit den Händen vorwärts tastete. Nebel und Frost hingen so schwarz in dem alten Eingang des Hauses, daß es schien, als ob der Wettergott in trauerndem Grübeln auf der Schwelle säße.

Nun ist es eine Tatsache, daß an dem Türklopfer nichts Besonderes war, nur seine Größe. Es ist auch eine Tatsache, daß Scrooge ihn morgens und abends gesehen hatte, seit er dort wohnte; ebenso daß Scrooge von dem, was man Phantasie nennt, genausowenig besaß wie jedermann in London, einschließlich – und das ist eine kühne Feststellung – der Stadtbehörde, Ratsherren und Dienerschaft. Wollen wir uns ferner daran erinnern, daß Scrooge nicht einen einzigen Gedanken an Marley verschwendet hatte, seit er an diesem Nachmittag erwähnt hatte, daß sein Partner vor sieben Jahren verstorben war. Und dann möge mir jemand erklären – falls er das kann –, wie es kam, daß Scrooge, als er den Schlüssel ins Schloß steckte, in dem Klopfer – ohne daß dieser zwischendurch einen Wandel durchmachte –, nicht einen Klopfer, sondern Marleys Gesicht sah.

Marleys Gesicht. Es lag nicht wie die anderen Gegenstände im Hof in undurchdringlichem Schatten, sondern von ihm ging ein unheilvolles Leuchten aus wie von einem verdorbenen Hummer in einem dunklen Keller. Es war nicht böse oder grimmig, sondern sah Scrooge an, wie Marley es zu tun pflegte: die gespenstische Brille auf die gespenstische Stirn hochgeschoben. Das Haar war merkwürdig durcheinandergewühlt, wie von einem Luftzug oder heißer Luft; und obwohl die Augen weit offenstanden, waren sie völlig bewegungslos. Dies und die Leichenblässe waren schreckenerregend, doch dieser Schrecken schien weder in der Absicht des Gesichts noch in seiner Macht zu liegen, sondern vielmehr zu seinem Ausdruck zu gehören.

Als Scrooge die Erscheinung fest ansah, war es wieder ein Türklopfer.

Zu behaupten, daß er nicht bestürzt gewesen wäre und daß er in seinem Blut keine furchtbare Erregung gespürt hätte, wie sie ihm seit seiner Kindheit fremd war, hätte nicht der Wahrheit entsprochen. Doch er nahm den Schlüssel, den er losgelassen hatte, zur Hand, drehte ihn entschlossen herum, ging hinein und zündete seine Kerze an.

Er blieb einen Augenblick unschlüssig stehen, ehe er die Tür schloß, und blickte zuerst vorsichtig dahinter, als ob er fast erwartete, durch den Anblick von Marleys Zopf erschreckt zu werden, der in den Hausflur hineinragte. Aber an der Rückseite der Tür war weiter nichts als die Schrauben und Muttern, die den Klopfer hielten. Deshalb sagte er „Ach was!“ und schlug die Tür krachend zu.

Der Schall hallte durch das Haus wie Donner. Jedes Zimmer oben und jedes Faß unten im Keller des Weinhändlers schien sein eignes Echo zu haben. Scrooge war nicht der Mensch, der sich durch Echos erschrecken ließ. Er verschloß die Tür, durchquerte den Hausflur und stieg die Treppe hinauf, allerdings langsam, denn im Gehen putzte er die Kerze.

Es läßt sich kaum sagen, daß man mit einem Sechsspänner eine gute alte Treppe hinauffahren oder ein schlechtes neues Gesetz durchbringen könne; ich behaupte aber, daß man in diesem Treppenhaus sogar einen Leichenwagen hochbekommen hätte, und zwar quer, mit der Deichsel zur Wand und der Tür zum Geländer hin, und das mit Leichtigkeit. Die Breite dafür war vorhanden, überhaupt genügend Platz. Das ist vielleicht der Grund, warum Scrooge glaubte, vor sich in der Dunkelheit eine sich bewegende Bahre zu sehen. Ein halbes Dutzend Gaslampen auf der Straße hätten den Flur nicht ausreichend erleuchtet, und so kann man sich vorstellen, daß es mit Scrooges Kerze recht finster war.

Scrooge stieg hinauf und scherte sich den Teufel darum. Dunkelheit ist billig, und das liebte Scrooge. Bevor er aber seine schwere Tür schloß, ging er durch alle Zimmer, um nachzusehen, ob alles in Ordnung sei. Die Erinnerung an das Gesicht war noch stark genug, um dies für angebracht zu halten.

Wohnzimmer, Schlafzimmer, Rumpelkammer. Alles, wie es sein sollte. Keiner unter dem Tisch, keiner unter dem Sofa, ein kleines Feuer im Kamin, Löffel und Schüssel standen bereit, das kleine Töpfchen mit der Haferschleimsuppe (Scrooge hatte eine Erkältung) auf dem Kamineinsatz. Niemand unter dem Bett, niemand im Schrank, niemand in seinem Schlafrock, der in verdächtiger Weise an der Wand hing. Die Rumpelkammer wie üblich: ein altes Kamingitter, alte Schuhe, zwei Fischkörbe, der Waschständer mit drei Beinen und ein Schürhaken.

Ganz beruhigt machte er die Tür zu und schloß sich ein; er schloß sogar zweimal herum, was sonst nicht seine Gewohnheit war. Somit gegen Überraschungen gefeit, legte er die Krawatte ab, zog Schlafrock und Pantoffeln an und setzte die Nachtmütze auf. Dann nahm er vor dem Kamin Platz und aß seine Haferschleimsuppe.

Es war wirklich ein kleines Feuerchen, lächerlich für einen so bitterkalten Abend. Er mußte dicht dabeisitzen und sich herüberbeugen, um von solch einer Handvoll Kohle wenigstens ein geringes Gefühl der Wärme zu spüren. Der Kamin war alt, vor langer Zeit von einem holländischen Kaufmann gebaut und rundherum mit altmodischen holländischen Kacheln besetzt, die die Bibel veranschaulichen sollten. Da waren Kain und Abel, die Töchter Pharaos, die Königin von Saba, Engelsboten, die auf Wolken wie auf Federbetten durch die Luft herabschwebten, Abraham, Belsazar und Apostel, die in Saucieren in See stachen; Hunderte von Figuren, die Scrooges Gedanken auf sich lenken konnten, und trotzdem tauchte das Gesicht von Marley, der schon seit sieben Jahren tot war, wie der Stab des Propheten vor ihm auf und verschlang alle anderen. Wenn jede glatte Kachel zunächst unbemalt gewesen wäre und die Kraft gehabt hätte, irgendein Bild aus den zusammenhanglosen Bruchstücken seiner Gedanken zu gestalten, wäre auf jeder ein Abbild von Marleys Gesicht erschienen.

„Unsinn!“ sagte Scrooge und schritt durchs Zimmer.

Nach mehrmaligem Auf und Ab setzte er sich wieder hin. Als er den Kopf auf dem Stuhl nach hinten warf, blieb sein Blick zufällig an einer nicht mehr benutzten Glocke hängen, die im Zimmer hing und zu einem längst vergessenen Zweck mit einem Zimmer im obersten Stockwerk des Gebäudes in Verbindung stand. Zu seiner großen Verwunderung und mit einer seltsamen, unerklärlichen Furcht sah er, als er dorthin blickte, daß die Glocke zu schwingen begann. Anfangs schwang sie so sacht, daß sie kaum einen Ton von sich gab, doch bald klang sie ganz laut, und alle Glocken im Haus stimmten ein.

Das mochte eine halbe oder ganze Minute gedauert haben, aber es schien eine Stunde gewesen zu sein. Die Glocken hörten, wie sie begonnen hatten, gleichzeitig auf. Es folgte ein rasselndes Geräusch tief unten, als ob jemand eine schwere Kette über die Fässer im Keller des Weinhändlers schleppte. Scrooge erinnerte sich, gehört zu haben, daß Geister in Spukhäusern immer Ketten hinter sich herzögen.

Die Kellertür flog dröhnend auf, und dann hörte er das Geräusch viel lauter, auf den Fluren unten, dann die Treppe herauf- und schließlich direkt auf seine Tür zukommen.

„Ist doch Unsinn!“ sagte Scrooge. „Ich glaube nicht daran.“

Trotzdem verfärbte er sich, als „es“, ohne innezuhalten, durch die schwere Tür kam und vor seinen Augen ins Zimmer trat. Bei seinem Eintreten loderte die schwache Flamme auf, als wollte sie rufen: „Ich erkenne Marleys Geist!“, und fiel dann in sich zusammen.

Dasselbe Gesicht, genau dasselbe. Marley mit seinem Zopf, der gewohnten Weste, den engen Hosen und Stiefeln, deren Quasten ebenso abstanden wie sein Zopf, die Rockschöße und die Haare auf dem Kopf. Die Kette, die er trug, war um seine Taille gewunden. Sie war lang und schlang sich um ihn wie eine Schleppe; sie bestand (Scrooge bemerkte das genau) aus Geldkassetten, Schlüsseln, Vorhängeschlössern, Hauptbüchern, Urkunden und schweren, aus Stahl gearbeiteten Geldbörsen. Sein Körper war durchsichtig, so daß Scrooge, als er ihn betrachtete und durch die Taille hindurchschaute, die beiden Knöpfe hinten am Mantel sehen konnte.

Scrooge hatte oft die Bemerkung gehört, Marley hätte kein Herz, aber er hatte das bis jetzt nie geglaubt.

Nein, auch jetzt glaubte er das nicht. Obwohl er durch die Erscheinung hindurchblicken konnte und sie vor sich stehen sah; obwohl er die durchdringende Wirkung seiner todkalten Augen spürte und genau das Gewebe des zusammengelegten Tuches, das um Kopf und Kinn gebunden war, erkennen konnte – diesen Schal hatte er früher nie bemerkt –, war er noch skeptisch und kämpfte gegen seine Sinne an.

„Was soll das heißen?“ fragte Scrooge, bissig und kalt wie immer. „Was willst du bei mir?“

„Viel!“ – Marleys Stimme, kein Zweifel.

„Wer bist du?“

„Frage mich, wer ich war.

„Wer warst du also?“ fragte Scrooge mit lauter werdender Stimme. „Du nimmst es sehr genau für einen Geist.“ Er wollte eigentlich sagen „als Geist“, ersetzte dies aber durch den passenderen Ausdruck.

„Zu Lebzeiten war ich dein Partner – Jacob Marley.“

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„Kannst du – kannst du dich setzen?“ fragte Scrooge und sah ihn zweifelnd an.

„Ja.“

„Dann setz dich.“

Scrooge stellte diese Frage, weil er nicht wußte, ob ein so durchsichtiger Geist überhaupt in der Lage wäre, sich auf einen Stuhl zu setzen, und fühlte, daß seine mögliche Unfähigkeit eine etwas peinliche Erklärung nötig machen könnte. Doch der Geist nahm auf der gegenüberliegenden Seite des Kamins Platz, als ob er das so gewohnt sei.

„Du glaubst nicht an mich“, bemerkte der Geist.

„Nein“, sagte Scrooge.

„Welchen Beweis für meine Existenz möchtest du haben außer dem, den dir deine Sinne liefern?“

„Ich weiß nicht“, sagte Scrooge.

„Warum zweifelst du an deinen Sinnen?“

„Weil eine Kleinigkeit sie schon beeinträchtigt“, sagte Scrooge. „Eine leichte Magenverstimmung macht sie zu Betrügern. Du kannst ein unverdauter Bissen Rindfleisch, ein Klecks Senf, ein Käsekrümel oder ein Stück nicht gargekochte Kartoffel sein. Dir haftet mehr der Geruch von Speisen als der des Grabes an, was auch immer du bist!“

Es war nicht Scrooges Gewohnheit, Witze zu reißen, und er fühlte sich auch durchaus nicht zum Scherzen aufgelegt. Die Wahrheit ist, daß er versuchte, forsch zu sein, um seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken und seine Angst zu unterdrücken, denn die Stimme des Gespenstes ging ihm durch Mark und Bein.

Dazusitzen, in diese starren, glasigen Augen zu sehen und einen Augenblick zu schweigen würde ihm, das spürte Scrooge, den Rest geben. Es lag auch etwas Furchtbares darin, daß das Gespenst von einer unterirdischen Atmosphäre umgeben war. Scrooge konnte sie nicht selbst wahrnehmen, aber es war eindeutig der Fall, denn obwohl der Geist völlig reglos dasaß, wurden seine Haare, seine Rockschöße und seine Stiefelquasten wie von einem Dunst, der aus einem Ofen steigt, hin und her bewegt.

„Siehst du diesen Zahnstocher?“ sagte Scrooge, indem er aus dem eben erwähnten Grunde schnell zum Angriff überging, in dem Wunsch – und wenn es auch nur für eine Sekunde wäre –, den starren Blick des Geistes von sich abzulenken.

„Ja“, erwiderte der Geist.

„Du blickst gar nicht zu ihm her“, sagte Scrooge.

„Ich sehe ihn aber trotzdem“, sagte der Geist.

„Nun“, erwiderte Scrooge, „ich brauche ihn bloß hinunterzuschlucken, um für den Rest meiner Tage von einer Schar Kobolde verfolgt zu werden, die ich mir selbst geschaffen habe. Unsinn, sage ich dir, alles Unsinn!“

Dabei erhob der Geist ein schreckeneinflößendes Geschrei und schüttelte seine Kette mit solch einem gräßlichen und schrecklichen Getöse, daß sich Scrooge an seinem Stuhl festklammerte, um nicht in Ohnmacht zu fallen. Doch wieviel größer war erst sein Entsetzen, als das Gespenst die um den Kopf gewickelte Binde abnahm, als ob es zu warm wäre, sie im Zimmer zu tragen, und ihm der Unterkiefer auf die Brust herunterklappte.

Scrooge fiel auf die Knie und schlug die Hände vors Gesicht.

„Gnade“, sagte er. „Furchtbare Erscheinung, warum quälst du mich?“

„Mann weltlicher Gedanken!“ entgegnete der Geist. „Glaubst du mir oder nicht?“

„Ja“, sagte Scrooge. „Ich muß es ja. Aber warum erscheinen Geister auf der Erde, und warum kommen sie zu mir?“

„Von jedem Menschen wird verlangt“, erwiderte der Geist, „daß seine Seele unter seinen Mitmenschen wandelt und weit herumreist. Und wenn sie nicht im Leben umhergeht, ist sie dazu verdammt, es nach dem Tode zu tun.

Sie ist dazu verurteilt, durch die Welt zu ziehen – oh, weh mir! – und Zeuge dessen zu sein, an dem sie nicht mehr teilhaben kann, aber auf Erden hätte teilhaben und es in Glück verwandeln können.“

Wieder erhob das Gespenst ein Geschrei, schüttelte seine Kette und rang die schattenhaften Hände.

„Du bist gefesselt“, sagte Scrooge zitternd. „Sage mir, warum.“

„Ich trage die Kette, die ich im Leben geschmiedet habe“, antwortete der Geist. „Ich stellte sie Glied um Glied und Elle um Elle her. Ich legte sie freiwillig an, und aus freiem Willen trug ich sie. Ist ihr Muster dir so fremd?“

Scrooge zitterte immer mehr.

„Oder willst du“, fuhr der Geist fort, „das Gewicht und die Länge der starken Rolle wissen, die du selber trägst? Sie war ebenso schwer und lang, wie dieses Weihnachten vor sieben Jahren war. Du hast seitdem weiter daran gearbeitet. Es ist eine schwere Kette!“

Scrooge blickte auf dem Boden umher, in der Erwartung, sich von einer hundertzwanzig oder hundertdreißig Meter langen Eisenkette umgeben zu finden; aber er konnte nichts sehen.

„Jacob“, flehte er. „Guter alter Jacob Marley, erzähl mir mehr. Sprich mir Trost zu, Jacob!“

„Ich habe keinen zu spenden“, antwortete der Geist. „Er kommt aus anderen Bezirken, Ebenezer Scrooge, und wird durch andere Boten gesandt und zu anderen Menschen als dir. Auch kann ich dir nicht sagen, was ich möchte. Nur weniges ist mir erlaubt. Ich darf nicht ruhen, ich darf nicht stehenbleiben, ich darf nirgends verweilen. Mein Geist ist niemals über unser Büro hinausgekommen – wohlgemerkt! –, nie im Leben ist mein Geist über die engen Grenzen unserer Wechslerhöhle hinausgezogen, und beschwerliche Wanderungen liegen vor mir!“

Scrooge hatte die Angewohnheit, die Hände in die Hosentaschen zu stecken, sobald er nachdenklich wurde. Während er darüber grübelte, was der Geist gesagt hatte, tat er es auch jetzt, aber ohne die Augen zu heben oder aufzustehen.

„Du scheinst dir dabei viel Zeit gelassen zu haben, Jacob“, bemerkte Scrooge in geschäftsmäßigem Ton, wenn auch demütig und ehrerbietig.

„Zeit gelassen!“ wiederholte der Geist.

„Seit sieben Jahren tot“, wunderte sich Scrooge, „und die ganze Zeit unterwegs.“

„Die ganze Zeit“, sagte der Geist. „Keine Ruhe, kein Frieden. Unablässig die Qual der Gewissensbisse.“

„Wanderst du schnell?“

„Auf den Flügeln des Windes“, antwortete der Geist.

„Du mußt eine weite Strecke in sieben Jahren zurückgelegt haben“, sagte Scrooge.

Als der Geist das hörte, stieß er noch einen Schrei aus und rasselte mit seiner Kette so gräßlich in der Totenstille der Nacht, daß die Wache berechtigt gewesen wäre, ihn wegen öffentlichen Ärgernisses zu verklagen.

„Oh! Gefangen, gefesselt und in doppelten Ketten“, rief das Gespenst, „wußte ich nicht, daß Jahrhunderte vergehen müssen, in denen sich unsterbliche Wesen unaufhörlich für diese Erde mühen, ehe sich das Gute, für das sie empfänglich ist, entwickelt. Ich wußte nicht, daß jeglichem christlich Gesinnten, der in seinem kleinen Kreis gütig wirkt, was immer es auch sein mag, sein Leben zu kurz ist für seine großartigen Möglichkeiten, nützlich zu sein. Ich wußte nicht, daß keine noch so große Reue die im Leben verpaßten Gelegenheiten wiedergutmachen kann! Doch so war ich! Oh, so war ich!“

„Aber du warst doch immer ein guter Geschäftsmann, Jacob“, stammelte Scrooge, der nun anfing, alles auf sich zu beziehen.

„Geschäft!“ schrie der Geist und rang erneut die Hände.

„Die Menschheit war mein Geschäft. Die allgemeine Wohlfahrt war mein Geschäft. Barmherzigkeit, Mitleid, Nachsicht und Nächstenliebe waren mein Geschäft. Mein berufliches Gebaren war nur ein Tropfen Wasser in dem weiten Ozean meines Geschäfts!“

Er hob die Kette, so hoch sein Arm reichte, als ob sie die Ursache seines unnützen Kummers wäre, und warf sie wieder heftig zu Boden.

„Um diese Zeit des Jahres“, sagte das Gespenst, „leide ich am meisten. Warum nur bin ich mit geschlossenen Augen an meinen Mitmenschen vorbeigegangen und habe meine Blicke niemals zu dem gesegneten Stern erhoben, der die Weisen aus dem Morgenland zu einer armseligen Herberge geführt hat! Gab es keine armseligen Wohnungen, in die sein Licht mich hätte führen können?“

Scrooge war furchtbar verzweifelt, als er das Gespenst in dieser Weise fortfahren hörte, und begann am ganzen Leibe zu zittern.

„Hör zu!“ rief der Geist. „Meine Zeit ist bald abgelaufen.“

„Ich will zuhören“, sagte Scrooge. „Aber sei nicht so hart zu mir! Rede ohne Umschweife, Jacob, bitte!“

„Wie es dazu kommt, daß ich vor dir in einer Gestalt erscheine, die du sehen kannst, darf ich nicht sagen. Ich habe an so manchem Tag unsichtbar neben dir gesessen.“

Das war kein angenehmer Gedanke. Scrooge erschauerte und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Es ist kein leichter Teil meiner Buße“, fuhr der Geist fort. „Ich bin heute abend hier, um dich zu warnen, damit du noch Gelegenheit und Hoffnung hast, meinem Schicksal zu entgehen. Gelegenheit und Hoffnung, zu der ich dir verhelfe, Ebenezer.“

„Du bist mir immer ein guter Freund gewesen“, sagte Scrooge. „Ich danke dir!“

„Du wirst von drei Geistern heimgesucht werden“, begann der Geist von neuem.

Scrooges Gesicht wurde fast ebenso lang wie das des Geistes.

„Ist das die Gelegenheit und Hoffnung, von der du sprachst, Jacob?“ fragte er stammelnd.

„Ja.“

„Ich – ich glaube, ich möchte sie lieber nicht haben“, sagte Scrooge.

„Ohne ihre Besuche“, sagte der Geist, „kannst du nicht darauf hoffen, dem Weg auszuweichen, den ich zu gehen habe. Erwarte den ersten morgen, wenn es ein Uhr schlägt.“

„Könnte ich sie nicht alle auf einmal empfangen und die Sache hinter mir haben, Jacob?“ schlug Scrooge vor.

„Erwarte den zweiten in der nächsten Nacht zur selben Stunde. Den dritten in der darauffolgenden Nacht, wenn der letzte Schlag der zwölften Stunde verklungen ist. Hüte dich, mich wiederzusehen, und denk daran – um deinetwillen –, was zwischen uns vorgefallen ist!“

Nach diesen Worten nahm das Gespenst sein Tuch vom Tisch und band es wie zuvor um den Kopf. Scrooge merkte es an dem hellen Geräusch, das seine Zähne machten, als die Kiefer von der Binde zusammengefügt wurden. Er wagte die Augen wieder zu erheben und sah seinen übernatürlichen Besucher in aufrechter Haltung vor sich stehen, die Kette um den Arm geschlungen.

Die Erscheinung entfernte sich rückwärts gehend von ihm, und bei jedem Schritt öffnete sich das Fenster ein wenig mehr, so daß es weit offenstand, als das Gespenst es erreichte.

Es machte Scrooge Zeichen, näher zu kommen, was er auch tat. Als sie zwei Schritt voneinander entfernt standen, hob Marleys Geist die Hand und warnte ihn, noch näher zu kommen. Scrooge blieb stehen.

Weniger aus Gehorsam als aus Überraschung und Furcht, denn beim Heben der Hand nahm er verworrene Geräusche in der Luft wahr, unzusammenhängende Töne der Klage und Reue, unsagbar sorgenvolles und selbstanklagendes Jammern. Nachdem das Gespenst einen Augenblick gelauscht hatte, stimmte es in das Klagelied mit ein und schwebte in die kalte, dunkle Nacht hinaus.

Scrooge ging ihm bis zum Fenster nach, verwegen in seiner Neugier. Er schaute hinaus.

Die Luft war von Gespenstern angefüllt, die in rastloser Eile hin und her wanderten und dabei stöhnten. Jedes von ihnen trug Ketten wie Marleys Geist; einige (es mochten schuldbeladene Regierungsvertreter gewesen sein) waren zusammengeschmiedet; niemand war frei. Scrooge hatte viele zu ihren Lebzeiten persönlich gekannt. Mit einem alten Geist in weißer Weste, der einen riesigen Geldschrank am Knöchel trug, war er ganz vertraut gewesen; dieser schrie kläglich, weil er einer unglücklichen Frau mit einem Kind nicht helfen konnte, die er unten auf einer Türschwelle sitzen sah. Bei allen bestand das Elend offenbar darin, daß sie sich, um Gutes zu tun, in menschliche Angelegenheiten zu mischen versuchten, aber die Macht dazu für immer verloren hatten.

Ob sich diese Geschöpfe in Nebel auflösten oder der Nebel sie einhüllte, konnte er nicht sagen. Aber sie verschwanden mitsamt ihren geisterhaften Stimmen, und die Nacht wurde wieder so wie vor seinem Heimweg.

Scrooge schloß das Fenster und untersuchte die Tür, durch die der Geist hereingekommen war. Es war zweimal herumgeschlossen, wie er es mit eigner Hand getan hatte, und die Riegel waren in Ordnung. Er versuchte, „Unsinn!“ zu sagen, hielt aber bei der ersten Silbe inne. Und da er dringend der Ruhe bedurfte – sei es wegen der Aufregung, die er gehabt, oder wegen der Strapazen des Tages oder wegen seines Einblicks in die unsichtbare Welt oder wegen der betrüblichen Unterhaltung mit dem Geist oder wegen der vorgerückten Stunde –, ging er, ohne sich auszuziehen, ins Bett und schlief sofort ein.

Zweite Strophe

Der erste der drei Geister

Als Scrooge erwachte, war es so dunkel, daß er vom Bett aus kaum das lichtdurchlässige Fenster von den undurchsichtigen Wänden seines Zimmers unterscheiden konnte. Er versuchte, die Dunkelheit mit seinen Frettchenaugen zu durchdringen, als die Glocke einer Kirche in der Nachbarschaft vier Viertel schlug. Lauschend erwartete er den Schlag der vollen Stunde.

Zu seinem großen Erstaunen ging die schwere Glocke immer weiter: von sechs auf sieben, von sieben auf acht und so fort bis zwölf; dann blieb sie stehen. Zwölf! Nach zwei Uhr hatte er sich zu Bett gelegt. Die Uhr ging falsch. Ein Eiszapfen mußte ins Werk geraten sein. Zwölf!

Er berührte die Feder der Repetieruhr, um diese völlig falsch gehende Uhr zu berichtigen. Ihr rascher kleiner Puls schlug zwölf und stand dann still.

„Aber das ist doch nicht möglich“, sagte Scrooge, „daß ich einen ganzen Tag hindurch und bis in die nächste Nacht hinein geschlafen habe. Es ist unmöglich, daß mit der Sonne etwas nicht in Ordnung und es schon zwölf Uhr mittags ist!“ Bei diesem beunruhigenden Gedanken kletterte er aus dem Bett und tastete sich seinen Weg zum Fenster. Mit dem Ärmel seines Morgenrockes mußte er die Eisblumen von den Scheiben wischen, ehe er etwas sehen konnte. Und auch dann war es nur sehr wenig. Alles, was er ausmachen konnte, war, daß es noch sehr neblig und außergewöhnlich kalt war und man keinen Lärm von hin und her laufenden Leuten, die Unruhe verbreiteten, hörte, was zweifellos der Fall gewesen wäre, wenn die Nacht den hellen Tag besiegt und von der Welt Besitz ergriffen hätte. Das war eine große Erleichterung, weil eine Formulierung wie „drei Tage nach Sicht dieses Primawechsels an Ebenezer Scrooge oder auf dessen Anordnung zu zahlen“ nur noch den Wert eines zweifelhaften Papiers gehabt hätte, wenn es keine Tage mehr gäbe, nach denen man zählen könnte.

Scrooge ging wieder zu Bett, überlegte und grübelte, konnte aber nichts daraus machen. Je länger er nachdachte, desto verwirrter wurde er, und je krampfhafter er versuchte, nicht zu denken, desto mehr tat er es.

Marleys Geist beunruhigte ihn außerordentlich. Jedesmal wenn er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluß kam, daß alles ein Traum war, kehrten seine Gedanken zum Ausgangspunkt zurück – wie eine starke Feder, die man losläßt – und stellten ihn vor dieselbe Frage, die es zu klären galt: „War es ein Traum oder nicht?“

Scrooge lag in dieser Verfassung, bis die Uhr drei Viertel weitergerückt war, als ihm plötzlich einfiel, daß ihm der Geist einen Besuch angekündigt hatte, sobald es eins schlüge. Er beschloß, bis zur vollen Stunde wach zu bleiben, und da er ebensowenig würde schlafen können wie gen Himmel fahren, war das wahrscheinlich das Klügste, was er tun konnte.

Die Viertelstunde war so lang, daß er mehr als einmal überzeugt war, er müsse unfreiwillig eingenickt sein und die Glocke überhört haben. Endlich drang sie an sein lauschendes Ohr.

„Bim, bam!“

„Viertel“, sagte Scrooge und zählte mit.

„Bim, bam!“

„Halb!“ sagte Scrooge.

„Bim, bam!“

„Drei Viertel“, sagte Scrooge.

„Bim, bam!“

„Voll“, sagte Scrooge triumphierend, „und nichts passiert!“

Das sagte er, bevor die Glocke die volle Stunde geschlagen hatte, was sie jetzt mit einem tiefen, dumpfen, hohlen, melancholischen Ton tat. In diesem Augenblick flammte Licht im Zimmer auf, und die Vorhänge an seinem Bett wurden beiseite gezogen.

Die Vorhänge wurden – man stelle sich vor – von einer Hand beiseite gezogen. Nicht die Vorhänge am Fußende und nicht die hinter seinem Rücken, sondern die, denen sein Gesicht zugewandt war. Die Vorhänge an seinem Bett wurden beiseite gezogen, und Scrooge, der sich halb zum Sitzen aufrichtete, sah sich dem unirdischen Besucher gegenüber, der sie zurückzog. Er war ihm so nahe, wie ich Ihnen jetzt bin, und im Geiste stehe ich neben Ihrem Ellenbogen.

Es war eine seltsame Gestalt – wie ein Kind, doch wiederum weniger einem Kind als einem durch ein übernatürliches Medium gesehenen alten Mann ähnlich, wodurch dieser wie dem Blick entzogen und auf die Größe eines Kindes zusammengeschrumpft wirkte. Sein Haar, das über Hals und Rücken herabhing, war weiß wie bei einem Greis, doch das Gesicht zeigte nicht eine Falte, und auf der Haut lag ein jugendlich frischer Hauch. Die Arme waren ziemlich lang und muskulös, ebenso die Hände, als ob ihr Griff von ungewöhnlicher Kraft wäre. Die feingeformten Beine und Füße waren wie die oberen Gliedmaßen nackt. Er trug eine Tunika von reinstem Weiß und um die Taille einen leuchtenden Gürtel, von dem ein wunderbarer Glanz ausging. Er hielt einen frischen, grünen Stechpalmenzweig in der Hand, und in seltsamem Gegensatz zu diesem winterlichen Symbol war sein Gewand mit Sommerblumen besetzt. Doch das Sonderbarste an ihm war, daß von der Krone auf seinem Kopf ein klarer, greller Lichtstrahl ausging, durch den dies alles sichtbar wurde und der zweifellos der Grund dafür war, daß er, wenn er dunklere Augenblicke vorzog, auf seinen Kopfschmuck ein Lichthütchen setzte, das er jetzt unter dem Arm trug.

Doch selbst dies war nicht seine seltsamste Eigenschaft, als Scrooge ihn mit wachsender Standhaftigkeit betrachtete. Denn wie der Gürtel bald an dem einen Teil, bald an einem anderen funkelte und glitzerte – und was eben noch leuchtete, war im nächsten Moment dunkel –, so veränderte sich die Deutlichkeit der Gestalt. Jetzt war sie ein Ding mit einem Arm, nun mit einem Bein, dann mit zwanzig Beinen, jetzt ein Paar Beine ohne Kopf, nun ein Kopf ohne Körper; von seinen sich auflösenden Teilen waren in der undurchdringlichen Finsternis, in die sie dahinschmolzen, nicht einmal die Umrisse sichtbar. Und während er darüber staunte, war sie schon wieder sie selbst, klar und deutlich wie zuvor.

„Sind Sie der Geist, Sir, dessen Kommen mir vorhergesagt wurde?“ fragte Scrooge.

„Der bin ich.“

Die Stimme war sanft und freundlich und ungewöhnlich leise, als ob sie nicht neben ihm, sondern von ihm entfernt wäre.

„Wer und was sind Sie?“ forschte Scrooge.

„Ich bin der Geist vergangener Weihnachten.“

„Aller vergangenen?“ fragte Scrooge weiter und beobachtete seine zwergenhafte Gestalt.

„Nein, deiner vergangenen.“

Vielleicht hätte Scrooge niemandem sagen können, warum – falls ihn jemand hätte fragen können –, aber er hatte den besonderen Wunsch, den Geist mit der Mütze zu sehen, und bat ihn, sie sich aufzusetzen.

„Was!“ rief der Geist aus. „Möchtest du das Licht, das ich spende, so rasch mit deinen irdischen Händen auslöschen? Ist es nicht genug, daß du zu denen gehörst, deren Leidenschaften diese Mütze schufen und mich viele, viele Jahre zwangen, sie tief ins Gesicht gezogen zu tragen!“

Scrooge wies ehrfurchtsvoll jegliche Absicht von sich, daß er ihn beleidigen wolle oder daß er sich bewußt sei, zu irgendeiner Zeit seines Lebens dem Geist absichtlich die Mütze aufgesetzt zu haben. Dann nahm er allen Mut zusammen und fragte den Geist, welches Geschäft ihn hierhergeführt habe.

„Dein Wohlergehen!“ sagte der Geist.

Scrooge brachte seine Dankbarkeit zum Ausdruck, konnte sich aber des Gedankens nicht erwehren, daß eine ungestörte Nachtruhe diesem Zweck dienlicher gewesen wäre. Der Geist muß seine Gedanken gelesen haben, denn er sagte sofort: „Dann eben deine Besserung. Gib acht!“

Er streckte, als er das sagte, seine starke Hand aus und packte ihn leicht am Arm.

„Steh auf und komm mit!“

Es hätte Scrooge nichts genutzt einzuwenden, daß das Wetter und der Zeitpunkt nicht zu einem Spaziergang geeignet seien, daß das Bett warm und das Thermometer weit unter dem Gefrierpunkt war, daß er mit Pantoffeln, Schlafrock und Nachtmütze nur leicht bekleidet war und daß er gerade eine Erkältung hatte. Obwohl der Griff sanft wie eine Frauenhand war, konnte man sich ihm nicht entziehen. Er erhob sich, doch als er merkte, daß der Geist dem Fenster zustrebte, klammerte er sich an dessen Gewand.

„Ich bin ein Mensch“, protestierte Scrooge, „und kann fallen.“

„Dulde hier nur eine Berührung durch meine Hand“, sagte der Geist und legte sie ihm aufs Herz, „und du wirst mehr als nur in dieser Hinsicht gestützt werden!“

Während diese Worte gesprochen wurden, durchschritten sie die Wand und standen auf einer offenen Landstraße mit Feldern zu beiden Seiten. Die Stadt war völlig verschwunden. Keine Spur war mehr zu sehen. Die Dunkelheit und der Nebel waren gleichzeitig gewichen, denn es war ein klarer, kalter Wintertag, und Schnee bedeckte den Boden.

„Großer Gott!“ sagte Scrooge und faltete die Hände, als er um sich blickte. „An diesem Ort bin ich aufgewachsen. Hier war ich als Junge.“

Der Geist schaute ihn freundlich an. Seine sanfte Berührung, obwohl sie nur leicht und kurz gewesen, war dem alten Mann noch immer gegenwärtig. Er nahm tausend Düfte in der Luft wahr, und jeder war mit tausend längst vergessenen Gedanken und Hoffnungen, Freuden und Sorgen verknüpft!

„Deine Lippen beben“, sagte der Geist. „Und was ist das auf deiner Wange?“

Scrooge murmelte mit einem ungewöhnlichen Zaudern in der Stimme, daß es ein Pickel sei, und bat den Geist, ihn zu führen, wohin er wolle.

„Erinnerst du dich an den Weg?“ fragte der Geist.

„Und ob ich mich erinnere!“ rief Scrooge leidenschaftlich aus. „Ich könnte ihn mit geschlossenen Augen gehen.“

„Seltsam, daß du ihn so viele Jahre vergessen hattest!“ bemerkte der Geist. „Gehen wir weiter.“

Sie liefen die Straße entlang. Scrooge erkannte jedes Tor, jeden Pfahl und jeden Baum wieder. Schließlich tauchte in der Ferne ein kleiner Marktflecken mit seiner Brücke, seiner Kirche und dem sich schlängelnden Fluß auf. Dann sahen sie ein paar zottige Ponys auf sich zutraben, auf deren Rücken Jungen saßen, die anderen Jungen in zweirädrigen, von Farmern gelenkten Einspännern etwas zuriefen. All diese Burschen waren in bester Stimmung und jauchzten einander zu, bis die weiten Felder von dieser fröhlichen Musik erfüllt waren, daß die frische Luft darüber zu lachen schien.

„Das sind nur die Schatten einstiger Dinge“, sagte der Geist. „Sie sind sich unserer Anwesenheit nicht bewußt.“ Die lustige Gesellschaft kam näher, und als sie heran war, kannte Scrooge jeden einzelnen und nannte ihn mit Namen. Wie unbändig freute er sich, sie zu sehen! Wie leuchteten seine kalten Augen und wie hüpfte sein Herz, als sie vorüberzogen! Wie wurde er mit Glück erfüllt, als er hörte, daß sie sich frohe Weihnachten wünschten, ehe sie sich an den Straßenkreuzungen und Seitenwegen trennten, um nach Hause zu gehen! Was bedeuteten Scrooge schon frohe Weihnachten? Was hatte es ihm je Gutes gebracht?

„Die Schule ist noch nicht ganz leer“, sagte der Geist. „Ein einsames Kind, das von seinen Freunden gemieden wird, ist noch dort.“

Scrooge sagte, er kenne es, und schluchzte.

Sie verließen die Hauptstraße an einem Feldweg, dessen er sich gut erinnerte, und näherten sich bald einem dunkelroten Backsteingebäude, das auf seinem Dach eine Kuppel hatte, die mit einem Wetterhahn versehen war und in der eine Glocke hing. Es war ein großes, aber verwahrlostes Haus, denn die weitläufigen Wirtschaftsräume hatte man selten benutzt; die Wände waren feucht und moosbewachsen, die Fenster zerbrochen und die Tore eingefallen. Hühner gluckten und stolzierten in den Pferdeställen einher; die Wagenschuppen und Remisen waren vom Gras überwuchert. Auch im Inneren war nichts mehr von dem alten Zustand übriggeblieben. Als sie die trostlose Vorhalle betraten und durch die offenen Türen in viele Zimmer sahen, fanden sie sie dürftig eingerichtet, kalt und öde. Es lag ein Geruch nach Erde in der Luft und eine frostige Schmucklosigkeit über diesem Ort, wodurch sich irgendwie der Gedanke an zeitiges Aufstehen bei Kerzenlicht und zuwenig Essen aufdrängte.

Der Geist und Scrooge schritten durch die Diele auf eine Tür an der Rückseite des Hauses zu. Sie öffnete sich vor ihnen und zeigte einen langen, kahlen und trübseligen Raum, der durch Reihen von Holzbänken und -tischen noch kahler wirkte. An dem einen saß ein verlassener Junge vor einem schwachen Feuer und las. Scrooge setzte sich auf eine Bank und weinte, als er sein armes, vergessenes Ich sah, das er meistens gewesen war.

Es gab kein verhaltenes Echo im Haus, kein Pfeifen und Scharren der Mäuse hinter der Holztäfelung, kein Tropfen aus der halbgetauten Dachrinne hinten im düsteren Garten, kein Seufzen in den entlaubten Zweigen einer verzagten Pappel, kein träges Hinundherschwingen der Tür eines leeren Speichers, nein, nicht einmal das Knistern des Feuers, das besänftigend auf Scrooges Herz gewirkt und seinen Tränen einen freieren Lauf gelassen hätte.

Der Geist berührte seinen Arm und zeigte auf sein jüngeres Ich, das ins Lesen vertieft war. Plötzlich stand ein Mann in fremdländischem Gewand – wunderbar natürlich und deutlich zu sehen – draußen vor dem Fenster. Er trug eine Axt in seinem Gürtel und führte einen mit Holz beladenen Esel am Zaum.

„Oh, das ist Ali Baba!“ rief Scrooge aufgeregt. „Das ist der liebe, alte, ehrliche Ali Baba! Ja, ja, ich weiß. Zu einem Weihnachten, als dieses einsame Kind hier ganz allein gesessen hatte, kam er zum erstenmal hierher, genau wie jetzt. Armer Junge! Und Valentine“, sagte Scrooge, „und sein stürmischer Bruder Orson, da gehen sie! Und wie hieß denn der, der schlafend in Unterhosen vor das Tor von Damaskus gelegt wurde; sehen Sie ihn nicht? Und der Diener des Sultans, der von den Dämonen auf den Kopf gestellt wurde; dort steht er noch so da! Geschieht ihm recht. Ich bin froh darüber. Was hatte er sich auch in die Prinzessin zu verlieben!“

Zu hören, wie Scrooge mit der ganzen Ernsthaftigkeit seines Wesens und einer höchst ungewöhnlichen Stimme, die zwischen Lachen und Weinen schwankte, über diese Dinge sprach, und sein übertriebenes und erregtes Gesicht zu sehen wäre für seine Geschäftsfreunde in der Stadt gewiß eine Überraschung gewesen.

„Da ist der Papagei!“ schrie Scrooge. „Mit grünem Körper und gelbem Schwanz und etwas auf dem Kopf, das wie eine Salatstaude aussieht. Dort ist er! ‚Armer Robinson Crusoe‘, rief er ihm zu, als dieser nach der Umseglung der Insel nach Hause kam. ‚Armer Robinson Crusoe, wo bist du gewesen, Robinson Crusoe?‘ Der Mann glaubte zu träumen, er träumte aber nicht. Es war der Papagei, verstehen Sie? Dort geht auch Freitag. Er läuft um sein Leben zu der kleinen Bucht hin. Hallo, he!“

Dann wechselte er mit einer Geschwindigkeit, die seinem sonstigen Charakter fremd war, den Gegenstand und sagte mitleidig zu seinem früheren Ich: „Armer Junge!“ und weinte wieder.

„Ich wünschte …“, murmelte Scrooge, wobei er die Hand in die Hosentasche steckte und um sich blickte, nachdem er sich die Augen am Ärmelaufschlag getrocknet hatte, „aber nun ist es zu spät.“

„Was ist denn?“ fragte der Geist.

„Ach, nichts“, sagte Scrooge. „Nichts. Gestern abend sang ein Junge ein Weihnachtslied vor meiner Tür. Ich hätte ihm etwas geben sollen. Das ist alles.“

Der Geist lächelte nachdenklich und machte eine Handbewegung, als wollte er sagen: „Wir wollen uns nun ein anderes Weihnachtsfest ansehen!“

Bei diesen Worten wuchs Scrooges früheres Ich, und der Raum wurde dunkler und schmutziger. Die Täfelung schrumpfte, die Fensterscheiben zerbrachen, Putzflatschen fielen von der Decke herab, und die nackten Balken waren zu sehen. Aber wie dies alles geschah, wußte Scrooge ebensowenig wie Sie. Er wußte nur, daß es stimmte, daß sich alles genauso zugetragen hatte und daß er wieder allein dort war, während all die anderen Jungen zu fröhlichen Weihnachten nach Hause gegangen waren.

Er las jetzt nicht, sondern ging verzweifelt auf und ab. Scrooge sah den Geist an und starrte, traurig den Kopf schüttelnd, gespannt zur Tür.

Sie öffnete sich, und ein kleines Mädchen, viel jünger als der Junge, kam hereingestürzt, schlang die Arme um seinen Hals, küßte ihn immer wieder und nannte ihn ihren „lieben, lieben Bruder“.

„Ich bin gekommen, um dich nach Hause zu holen, lieber Bruder!“ sagte das Kind, klatschte in die Hände und bog sich vor Lachen.

„Um dich nach Hause zu holen, nach Hause!“

„Nach Hause, kleine Fan?“ fragte der Junge.

„Ja!“ sagte das Mädchen, vor Freude überschäumend. „Ein für allemal nach Hause. Für immer und ewig nach Hause. Vater ist viel freundlicher, als er es sonst war. Dadurch ist es zu Hause wie im Himmel. Eines schönen Abends, als ich zu Bett gehen wollte, sprach er so freundlich zu mir, daß ich noch einmal zu fragen wagte, ob du heimkommen dürftest, und er sagte, du könntest es. Er schickte mich in einer Kutsche her, dich zu holen. Und du sollst ein Mann sein“, sagte das Kind, die Augen aufreißend, „und niemals hierher zurückkehren. Zuerst aber wollen wir das ganze Weihnachtsfest zusammenbleiben und die schönste Zeit auf der ganzen Welt verleben.“

„Du bist ja eine Frau geworden, Fan!“ rief der Junge.

Sie klatschte in die Hände und lachte und versuchte, ihn am Kopf zu fassen. Da sie aber zu klein war, lachte sie wieder und stellte sich auf Zehenspitzen, um ihn zu umarmen. Dann begann sie mit kindlichem Eifer, ihn zur Tür zu zerren, und er, durchaus nicht abgeneigt, schloß sich ihr an.

Eine schreckliche Stimme rief im Flur: „Bringt den Reisekoffer von Master Scrooge her!“, und im Flur erschien der Schuldirektor höchst persönlich. Er starrte Master Scrooge mit grimmiger Herablassung an und brachte ihn in furchtbare Verlegenheit, indem er ihm die Hand schüttelte. Dann brachte er ihn und seine Schwester in das älteste und kälteste Loch von einem Empfangszimmer, das man je gesehen hatte und in dem die Karten an den Wänden und die Himmels- und Erdgloben in den Fenstern wie mit Wachs überzogen aussahen. Hier holte er eine Karaffe seltsam leichten Weines und ein großes Stück seltsam schweren Kuchens hervor und reichte den jungen Leuten diese Köstlichkeiten ratenweise. Gleichzeitig schickte er einen dürren Hausdiener hinaus, um dem Postboten „ein Gläschen“ anzubieten, der antworten ließ, er danke dem Herrn und verzichte besser darauf, falls es dieselbe Sorte sei, die er bereits gekostet habe. Nachdem Master Scrooges Koffer auf dem Dach der Kutsche verstaut worden war, verabschiedeten sich die Kinder von dem Schuldirektor nur allzugern, stiegen ein und fuhren fröhlich auf dem Gartenweg davon, wobei die schnellen Räder den Rauhreif und Schnee von den dunklen Blättern der Immergrüngewächse schleuderten, daß es nur so sprühte.

„Sie war immer ein zartes Geschöpf, das ein Hauch hätte zugrunde richten können“, sagte der Geist. „Aber sie hatte ein großes Herz!“

„Das hatte sie“, rief Scrooge. „Sie haben recht. Ich will es nicht bestreiten, Geist. Gottbewahre!“

„Sie starb als verheiratete Frau“, sagte der Geist, „und hatte, glaube ich, auch Kinder.“

„Ein Kind“, erwiderte Scrooge.

„Richtig“, sagte der Geist, „deinen Neffen!“

Scrooge schien sich unbehaglich zu fühlen und antwortete nur kurz: „Ja.“

Obwohl sie gerade erst die Schule hinter sich gelassen hatten, befanden sie sich nun in den Hauptverkehrsstraßen einer Stadt, wo schattenhafte Fußgänger hin und her liefen, wo sich schattenhafte Wagen und Kutschen ihren Weg bahnten und wo der Streit und Lärm einer richtigen Stadt herrschten. Aus der Ausstattung der Geschäfte ging klar hervor, daß auch hier wieder Weihnachtszeit war, doch war es Abend, und die Straßen waren erleuchtet.

Der Geist blieb an der Tür zu einem bestimmten Geschäft stehen und fragte Scrooge, ob er sie kenne.

„Ob ich sie kenne?“ sagte Scrooge. „Ich war doch als Lehrling hier!“

Sie gingen hinein. Beim Anblick eines alten Herrn mit einer gestrickten Wollmütze, der hinter einem so hohen Pult saß, daß er mit dem Kopf an der Decke angestoßen hätte, wäre er nur zwei Zoll größer gewesen, schrie Scrooge in großer Erregung: „Das ist ja der alte Fezziwig! Gott segne ihn! Es ist Fezziwig, wie er leibt und lebt!“

Der alte Fezziwig legte seine Feder hin und schaute auf die Uhr, die auf sieben zeigte. Er rieb sich die Hände, strich seine weite Weste glatt, schüttelte sich vor Lachen und rief mit seiner vergnügten, öligen, vollen und heiteren Stimme:

„Heda! Ebenezer! Dick!“

Scrooges früheres Ich, das inzwischen zu einem jungen Mann herangewachsen war, eilte, von seinem Mitlehrling begleitet, herbei.

„Dick Wilkins, wahrhaftig!“ sagte Scrooge zum Geist. „Mein Gott, ja. Das ist er. Er war mir sehr zugetan, der Dick. Armer Dick! Ach du lieber Himmel!“

„He, Jungs!“ sagte Fezziwig. „Heute abend wird nicht mehr gearbeitet. Es ist Weihnachten, Dick. Weihnachten, Ebenezer! Macht den Laden in Windeseile dicht!“ rief der alte Fezziwig und klatschte kräftig in die Hände.

Man will es kaum glauben, wie sich die beiden Burschen daranmachten! Sie stürmten mit den Fensterladen auf die Straße – eins, zwei, drei – brachten sie an – vier, fünf, sechs –, verriegelten sie und schoben die Bolzen vor – sieben, acht, neun – und kamen zurück, keuchend wie Rennpferde, bevor man hätte bis zwölf zählen können.

„Hopp-hopp!“ rief der alte Fezziwig und hüpfte mit bewundernswerter Behendigkeit von dem hohen Pult herunter. „Räumt weg, Burschen, damit wir hier viel Platz haben! Hopp-hopp, Dick! Frischen Mutes, Ebenezer!“

Wegräumen! Es gab nichts, was sie nicht hätten beiseite räumen wollen oder können, wenn der alte Fezziwig zusah. Es war im Nu getan. Alles, was sich bewegen ließ, wurde weggeschafft, als ob es für immer verbannt werden sollte. Der Fußboden wurde gefegt und gesprengt, die Lampen wurden geputzt, das Brennmaterial wurde im Kamin nachgelegt, und das Geschäft war bald ein so gemütlicher, warmer, trockener und heller Ballsaal, wie man ihn sich nur an einem Winterabend wünschen konnte.

Herein kam ein Geiger mit einem Notenheft; er kletterte auf das hohe Pult, baute sein „Orchester“ auf und stimmte, daß man Bauchschmerzen bekam. Herein kam Mrs. Fezziwig, ein einziges breites Lächeln. Herein kamen die drei Misses Fezziwig, strahlend und liebenswert. Herein kamen die sechs jungen Verehrer, deren Herzen sie gebrochen hatten. Herein kamen alle jungen Männer und Frauen, die im Geschäft angestellt waren. Herein kam das Dienstmädchen mit ihrem Cousin, dem Bäcker. Herein kam die Köchin mit dem besten Freund ihres Bruders, dem Milchmann. Herein kam der Junge von gegenüber, von dem man annahm, daß er bei seinem Herrn nicht gut genug beköstigt wurde; er versuchte, sich hinter dem Mädchen aus dem übernächsten Haus zu verstecken, der erwiesenermaßen von ihrer Herrin die Ohren langgezogen worden waren. Herein kamen sie alle, einer nach dem anderen: die einen schüchtern, die anderen keck; die einen anmutig, die anderen linkisch; die einen schiebend, die anderen zerrend. Herein kamen sie alle, irgendwie, so gut es ging. Dann fingen sie an, zwanzig Paare auf einmal: Hände gereicht, halbe Drehung und entgegengesetzt zurück; durch die Reihen hin und wieder zurück; rundherum in verschiedenen Anordnungen; das frühere erste Paar erschien stets am verkehrten Platz, das neue erste Paar setzte wieder ein, sobald es dort anlangte; schließlich waren alle erste Paare und nicht ein einziger am Schluß. Als sich dieses Ergebnis herausstellte, klatschte der alte Fezziwig in die Hände, um den Tanz abzubrechen, und rief: „Gut gemacht!“ Der Geiger ließ sein erhitztes Gesicht hinter einem Krug Porter verschwinden, der eigens zu diesem Zweck bereitgestellt worden war. Da er aber nach seinem Wiederauftauchen jegliche Pause verschmähte, begann er sofort wieder zu spielen – obwohl noch keine Tänzer da waren –, als ob man den anderen, erschöpften Geiger auf einem Fensterladen nach Hause getragen hätte und er der ganz neue Mann wäre, entschlossen, den anderen aus dem Tempel zu jagen oder selbst zu sterben.

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Es wurden weitere Tänze getanzt, dann folgten Pfänderspiele und wieder Tanz; es gab Kuchen und Glühwein, ein großes Stück kalten Braten und ein großes Stück kaltes, gekochtes Fleisch, und es gab gefüllte Pasteten und eine Menge Bier. Doch der Höhepunkt des Abends kam nach dem Braten und Gekochten, als der Geiger (ein schlauer Fuchs, wohlgemerkt! Diese Art Mann, der sein Geschäft besser versteht, als Sie oder ich ihm hätten beibringen können) „Sir Roger de Coverley“ anstimmte. Da trat der alte Fezziwig vor, um mit Mrs. Fezziwig zu tanzen. Noch dazu als erstes Paar; das war ein hartes Stück Arbeit für sie, bei drei- oder vierundzwanzig Paaren; und alles Leute, die nicht mit sich spaßen ließen, sondern tanzen und nicht gemächlich laufen wollten.

Aber selbst wenn es doppelt, ach viermal soviel gewesen wären, der alte Fezziwig hätte es mit ihnen aufnehmen können und auch seine Frau. Was sie betraf, so war sie in jedem Sinne des Wortes eine würdige Partnerin. Wenn das kein hohes Lob ist, nennen Sie mir ein höheres, und ich werde es anwenden. Von Fezziwigs Waden schien ein Licht auszustrahlen. Sie leuchteten bei jeder Phase des Tanzes wie Monde. Man hätte zu keiner Zeit Voraussagen können, was aus ihnen im nächsten Moment werden würde. Und als der alte Fezziwig und seine Frau mit dem Tanz ganz durch waren – vor und zurück, beide Hände dem Partner, Verbeugung und Knicks, Drehung, Brücke und an den Platz zurück –, machte Fezziwig einen so geschickten Kreuzsprung, daß er mit den Beinen zu blinken schien, und kam, ohne zu taumeln, wieder auf die Füße.

Um elf Uhr ging der Hausball zu Ende. Mr. und Mrs. Fezziwig nahmen zu beiden Seiten der Tür Aufstellung, reichten jedem beim Hinausgehen persönlich die Hand und wünschten frohe Weihnachten. Als sich alle, bis auf die beiden Lehrlinge, zurückgezogen hatten, behandelten sie diese ebenso. Die fröhlichen Stimmen verstummten, und die Burschen durften in ihre Betten gehen, die sich unter einem Ladentisch im hinteren Raum des Geschäfts befanden.

Die ganze Zeit über hatte sich Scrooge wie einer benommen, der den Verstand verloren hat. Mit Herz und Seele hatte er sich in alles und in sein früheres Ich zurückversetzt. Er bestätigte alles, erinnerte sich an alles, freute sich über alles und machte die seltsamste Gemütsbewegung durch. Erst jetzt, als sich die strahlenden Gesichter seines früheren Ichs und Dicks abwandten, fiel ihm wieder der Geist ein, und er bemerkte, wie dieser ihn groß anschaute, während das Licht auf seinem Kopf hell brannte.

„Es ist ein leichtes“, sagte der Geist, „die Dankbarkeit dieser einfachen Leute zu entfachen.“

„Ein leichtes“, echote Scrooge.

Der Geist bedeutete ihm, den beiden Lehrlingen zuzuhören, die ihrem Herzen zum Lobe Fezziwigs Luft machten, und sagte dann:

„Nun, ist es nicht so? Er hat nicht mehr als ein paar Pfund eures irdischen Geldes ausgegeben, drei oder vier vielleicht. Ist das so viel, daß er Lob verdient?“

„Das ist es nicht“, sagte Scrooge, durch diese Bemerkung erregt, und sprach unbewußt wie sein früheres, nicht wie sein späteres Ich.

„Das ist es nicht, Geist. Er hat die Macht, uns glücklich oder unglücklich zu machen, uns den Dienst leicht oder beschwerlich, zu einem Vergnügen oder einer Last zu machen. Angenommen, seine Macht liegt in Worten und Blicken, in geringfügigen und belanglosen Dingen, die man unmöglich zusammenzählen und aufrechnen kann, was dann? Das Glück, das er hervorruft, ist ebensogroß, als wenn es ihn ein Vermögen gekostet hätte.“

Er spürte den Blick des Geistes und hielt inne.

„Was ist los?“ fragte der Geist.

„Nichts Besonderes“, sagte Scrooge.

„Etwas doch, glaube ich“, beharrte der Geist.

„Nein“, sagte Scrooge. „Nein. Ich würde jetzt nur gern meinem Angestellten ein paar Worte sagen können. Weiter nichts.“

Sein früheres Ich drehte die Lampe klein, als er diesem Wunsch Ausdruck verlieh, und Scrooge und der Geist standen wieder Seite an Seite im Freien.

„Meine Zeit läuft ab“, bemerkte der Geist. „Schnell!“

Das war nicht an Scrooge oder irgendeinen Sichtbaren gerichtet, tat aber unverzüglich seine Wirkung. Dann wieder sah Scrooge sich selbst. Er war jetzt älter, ein Mann in der Blüte seines Lebens. Sein Gesicht hatte noch nicht die harten, strengen Züge der späteren Jahre, aber es begann schon die Spuren von Sorge und Habsucht zu tragen. In seinem Blick lag Ungeduld, Gier und Ruhelosigkeit, was verriet, welche Leidenschaft in ihm Wurzel geschlagen hatte und wohin der Schatten des wachsenden Baumes fallen würde.

Er war nicht allein. An seiner Seite saß ein hübsches junges Mädchen in Trauerkleidung. In ihren Augen standen Tränen, die in dem Licht funkelten, das von dem Geist der vergangenen Weihnachten ausging.

„Es macht dir wenig aus“, sagte sie sanft. „Dir sehr wenig. Ein anderes Götzenbild hat mich verdrängt. Wenn es dich in Zukunft ebenso aufheitern und trösten kann, wie ich es tun wollte, habe ich keinen Grund, mich zu grämen.“

„Was für ein Götzenbild hat dich verdrängt?“ entgegnete er.

„Ein goldenes.“

„So ist es nun einmal im Leben“, sagte er. „Gegen nichts ist die Welt so hart wie gegen Armut, und nichts scheint sie so scharf zu verurteilen wie die Jagd nach Reichtum!“

„Du fürchtest die Welt zu sehr“, antwortete sie sanft. „All deine anderen Hoffnungen sind in der einen aufgegangen, außer Reichweite ihrer gemeinen Vorwürfe zu sein. Ich sehe, wie deine edleren Bestrebungen eine nach der anderen verschwinden, bis du von der Hauptleidenschaft, Gewinnsucht, ganz erfaßt bist. Ist es nicht so?“

„Und was weiter?“ erwiderte er. „Selbst wenn ich so viel klüger geworden bin, was soll’s. Dir gegenüber habe ich mich nicht verändert.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Habe ich das?“

„Unser Bund ist alt. Er wurde geschlossen, als wir beide arm und genügsam waren, bis wir zu einer günstigen Zeit durch geduldigen Fleiß unser irdisches Glück verbessert haben würden. Du bist verändert. Als der Bund geschlossen wurde, warst du ein anderer Mensch.“

„Ich war ein Junge“, sagte er ungeduldig.

„Dein eignes Gefühl sagt dir, daß du nicht so warst, wie du jetzt bist“, erwiderte sie. „Ich bin noch dieselbe. Das, was Glück verhieß, als wir noch eines Sinnes waren, bringt jetzt, da wir nicht mehr eins sind, seelischen Schmerz mit sich. Ich will nicht darüber sprechen, wie oft und eingehend ich darüber nachgedacht habe. Es genügt, daß ich nachgedacht habe und ich dich freigeben kann.“

„Habe ich je darum gebeten, freigegeben zu werden?“

„Mit Worten? Nein, nie.“

„Womit sonst?“

„Durch ein verändertes Wesen, durch eine veränderte innere Einstellung, durch eine andere Lebensführung, durch ein anderes großes Ziel. Durch alles, was meine Liebe aus deiner Sicht nützlich und wertvoll machte. Wenn sie niemals zwischen uns gewesen wäre“, sagte das Mädchen und sah ihn freundlich, aber fest dabei an, „sag, würdest du mich jetzt noch wählen und versuchen, mich zu gewinnen? O nein!“ Er schien die Richtigkeit dieser Vermutung widerstrebend einzuräumen. Aber mit sich ringend, sagte er nur: „Das glaubst du, nicht?“

„Ich würde gern anders denken, wenn ich könnte“, antwortete sie. „Weiß Gott! Wenn ich einmal eine Wahrheit wie diese erkannt habe, weiß ich auch, wie mächtig und unerbittlich sie ist. Wenn du aber heute frei wärest oder morgen frei würdest oder gestern frei gewesen wärest, kann ich denn glauben, daß du ein Mädchen ohne Mitgift nehmen würdest, du, der du im vertraulichen Gespräch mit ihr alles nach dem Gewinn beurteilst. Oder wenn du einen Augenblick lang deinem wichtigsten Grundsatz untreu werden und sie wählen würdest, wüßte ich dann, ob nicht Reue und Bedauern folgten? Ich weiß es, und ich gebe dich frei. Mit ganzem Herzen, um der Liebe willen zu dem, der du einst warst.“

Er wollte sprechen, sie aber, den Kopf von ihm gewandt, fuhr fort:

„Vielleicht – die Erinnerung an Vergangenes läßt es mich beinahe hoffen – wird es dich schmerzen. Nach sehr, sehr kurzer Zeit wirst du die Erinnerung daran mit Freuden als einen unvorteilhaften Traum wegschieben, aus dem du rechtzeitig erwacht bist. Mögest du in dem Leben, das du gewählt hast, glücklich werden!“

Sie verließ ihn, und so trennten sie sich.

„Geist!“ sagte Scrooge. „Zeige mir nichts weiter. Bringe mich nach Hause. Warum machst du dir einen Spaß daraus, mich zu quälen?“

„Noch ein Schatten!“ rief der Geist.

„Keinen mehr!“ schrie Scrooge. „Ich möchte ihn nicht sehen. Zeige mir nichts mehr!“

Aber der erbarmungslose Geist hielt ihn mit beiden Armen fest und zwang ihn, zu beobachten, was nun folgte.

Sie erlebten eine andere Szene und einen anderen Ort, in einem Zimmer, das nicht sehr groß und schön, aber sehr gemütlich war. Am winterlichen Feuer saß ein hübsches junges Mädchen, das letzterem so ähnlich sah, daß Scrooge glaubte, es sei dasselbe, bis er sie, inzwischen eine anmutige ältere Frau, ihrer Tochter gegenübersitzen sah. Der Lärm in diesem Zimmer war fast tumultartig, denn es waren mehr Kinder da, als Scrooge in seiner aufgewühlten Gemütsverfassung zählen konnte; und anders als die berühmte Herde im Gedicht waren es nicht vierzig Kinder, die sich wie eins benahmen, sondern jedes Kind benahm sich wie vierzig. Das Ergebnis war ein unvorstellbarer Krach, doch niemand schien sich darum zu kümmern. Im Gegenteil, Mutter und Tochter lachten herzlich und hatten ihre Freude daran, und letztere, die sich bald an den Spielen beteiligte, wurde von den kleinen Räubern rücksichtslos überfallen. Was hätte ich darum gegeben, einer von ihnen zu sein! Obwohl ich niemals hätte so grob sein können, o nein! Nicht um alles in der Welt hätte ich an den geflochtenen Haaren gezerrt und sie aufgelöst, und den kostbaren kleinen Schuh hätte ich ihr nicht ausgezogen, gottbewahre, und wenn es um mein Leben gegangen wäre. Was das Abmessen der Taille – aus Spaß – betrifft, wie das die freche junge Brut tat, hätte ich das nicht fertiggebracht. Ich hätte erwartet, daß mein Arm zur Strafe krumm und nie wieder gerade geworden wäre. Doch hätte ich, das muß ich zugeben, sehr gern ihre Lippen berührt; sie etwas gefragt, damit sie sie öffnete; die Wimpern ihrer niedergeschlagenen Augen betrachtet und nie ein Erröten hervorgerufen; die Wellen ihres Haares gelöst, von denen schon eine Locke ein Geschenk von unschätzbarem Wert wäre; kurz, ich hätte gern, das gestehe ich, die geringsten Freiheiten eines Kindes besessen und wäre doch Manns genug gewesen, ihren Wert richtig einzuschätzen.

Aber jetzt war ein Klopfen an der Tür zu hören, und sofort setzte so ein Ansturm ein, daß sie inmitten der erhitzten und tobenden Schar mit lachendem Gesicht und zerfetztem Kleid dorthin mitgerissen wurde, um gerade noch den Vater begrüßen zu können, der nach Hause kam und von einem mit Weihnachtsgeschenken und Spielzeug beladenen Mann begleitet wurde. Das gab ein Geschrei und einen Kampf und Ansturm auf den wehrlosen Gepäckträger. Sie kletterten an ihm hoch, mit Stühlen als Leitern, um in seine Taschen zu langen, raubten ihm die in braunes Papier eingewickelten Päckchen, hielten sich an seiner Krawatte fest, fielen ihm um den Hals, pufften ihn in den Rücken und stießen ihn mit Füßen gegen die Beine – alles aus lauter Liebe! Diese Ausrufe der Verwunderung und Freude beim Auswickeln eines jeden Päckchens! Die schreckliche Mitteilung, daß das Baby dabei ertappt worden war, wie es sich eine Puppenbratpfanne in den Mund steckte, und daß es im Verdacht stand, einen auf einen Holzteller geleimten, imitierten Truthahn verschluckt zu haben! Welch große Erleichterung, als sich herausstellte, daß es blinder Alarm gewesen war! Diese Freude und Dankbarkeit und Aufregung! Alles gleichermaßen unbeschreiblich. Genug, nach und nach verschwanden die Kinder – und damit auch der Tumult – aus dem Wohnzimmer. Langsam gingen sie ins obere Stockwerk des Hauses, wo sie ins Bett sanken und sich beruhigten.

Und jetzt schaute Scrooge aufmerksamer denn je hin, als sich der Hausherr, die Tochter zärtlich an sich drückend, mit ihr und ihrer Mutter am eigenen Kamin niederließ; und als er überlegte, daß solch ein Geschöpf, ebenso anmutig und vielversprechend, ihn hätte Vater nennen und der Frühling in dem rauhen Winter seines Lebens sein können, verdüsterte sich wahrhaftig sein Blick.

„Belle“, sagte der Mann und wandte sich lächelnd an seine Frau, „heute nachmittag habe ich einen alten Freund von dir gesehen.“

„Wen denn?“

„Rate!“

„Wie kann ich das? Ha, ich weiß“, fügte sie im gleichen Atemzug hinzu und lachte mit. „Mr. Scrooge.“

„Ja, Mr. Scrooge. Ich ging an seinem Bürofenster vorbei, und da der Fensterladen nicht geschlossen war und er Licht hatte, konnte ich kaum umhin, ihn zu sehen. Wie ich gehört habe, liegt sein Partner im Sterben, und so saß er ganz allein. Ich glaube, er ist wirklich mutterseelenallein auf der Welt.“

„Geist“, sagte Scrooge mit gebrochener Stimme, „führe mich von diesem Ort weg!“

„Ich habe dir gesagt, daß es sich um Schatten der Vergangenheit handelt“, sagte der Geist. „Daß sie sind, wie sie sind, dafür gib nicht mir die Schuld.“

„Führe mich weg!“ rief Scrooge. „Ich kann es nicht ertragen.“

Er wandte sich dem Geist zu, und als er sah, daß er ihn mit einem Gesicht betrachtete, in dem sich auf seltsame Weise Spuren all der gezeigten Gesichter widerspiegelten, rang er mit ihm.

„Laß mich! Bring mich zurück! Quäle mich nicht länger!“

In dem Kampf – falls man das überhaupt einen Kampf nennen kann, in dem sich der Geist ohne sichtbaren Widerstand seinerseits durch keine Anstrengung seines Gegners erschüttern ließ – bemerkte Scrooge, daß das Licht hell und hoch brannte, und da er dies irgendwie mit dem Einfluß, den es auf ihn hatte, in Verbindung brachte, ergriff er den Lichthut und drückte ihn mit einer raschen Bewegung auf dessen Kopf.

Der Geist sank unter ihm zusammen, so daß der Lichthut seine ganze Gestalt bedeckte. Doch obwohl ihn Scrooge mit aller Kraft niederdrückte, konnte er das Licht nicht verbergen, das darunter in ungehindertem Strom den Boden überflutete.

Er spürte, daß er erschöpft war und von einer unwiderstehlichen Schläfrigkeit übermannt wurde, und außerdem, daß er sich in seinem Schlafzimmer befand. Er drückte zum Schluß noch einmal auf den Lichthut, wobei seine Hand schlaff wurde, und hatte kaum noch Zeit, ins Bett zu taumeln, ehe er in einen tiefen Schlaf versank.