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Abstract, Exposé und Förderantrag. Eine Schreibanleitung für Studierende und junge Forschende

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Birgit Huemer

Markus Rheindorf

Helmut Gruber

Abstract, Exposé und Förderantrag

Eine Schreibanleitung für Studierende und junge Forschende

BÖHLAU VERLAG WIEN KÖLN WEIMAR · 2012

Birgit Huemer, Sprachwissenschaftlerin, Forscherin und Lehrbeauftragte für wissen­schaftliches Schreiben an der Universität Wien und der Alpen-Adria ­Universität Klagenfurt.

 

Markus Rheindorf forscht und lehrt an der Universität Wien, der ­Alpen-Adria Universität Klagenfurt und der Donau-Universität Krems.

 

Helmut Gruber, ao. Univ.-Prof. am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Kritische Diskursanalyse, Medienlinguistik, linguistische Konfliktforschung, Wissenschaftskommunikation.

 

 

 

 

 

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Online-Angebote oder elektronische Ausgaben sind erhältlich unter www.utb-shop.de.

 

 

 

© 2012 by Böhlau Verlag GmbH & Co. KG, Wien Köln Weimar

Wiesingerstraße 1, A-1010 Wien, www.boehlau-verlag.com

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist unzulässig.

Lektorat: Dr. Volker Manz, Kenzingen

Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Satz: synpannier. Gestaltung & Wissenschaftskommunikation, Bielefeld

Druck und Bindung: AALEXX Buchproduktion GmbH, Großburgwedel

Gedruckt auf chlor- und säurefreiem Papier

Printed in Germany

UTB-Band-Nr. 3762 | ISBN 978-3-8252-3762-2

Beispielübersicht

Beispiel 1: Recent studies conducted in the U. S. show that 33 % to 46 % of women report […].

Beispiel 2: This approach was abandoned when it became clear that […]

Beispiel 3: This method was introduced in the 1970’s, and has proved remarkably successful.

Beispiel 4: Sprachwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 5: Naturwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 6: Naturwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 7: Soziologischer Abstract

Beispiel 8: Rechtswissenschaftlicher Abstract

Beispiel 9: Sprachwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 10: Ergänzung zu Beispiel 9

Beispiel 11: Soziologischer Abstract

Beispiel 12: Ergänzung zu Beispiel 11

Beispiel 13: Soziologischer Abstract

Beispiel 14: Ergänzung zu Beispiel 13

Beispiel 15: Call for Papers

Beispiel 16: Sprachwissenschaftlicher Conference Abstract

Beispiel 17: Situationsbeispiel 1

Beispiel 18: Situationsbeispiel 2

Beispiel 19: Ethnologischer Thesis Abstract

Beispiel 20: Wirtschaftswissenschaftlicher Thesis Abstract

Beispiel 21: Naturwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 22: Medizinischer Abstract

Beispiel 23: Filmwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 24: Medizinischer Abstract

Beispiel 25: Filmwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 26: Literaturwissenschaftlicher Abstract

Beispiel 27: Musterangaben

Beispiel 28: Exposé für eine Bachelor- oder Magister-/Masterarbeit

Beispiel 29: Exposé für eine Doktorarbeit / PhD Thesis

Beispiel 30: Exposé für eine naturwissenschaftliche Forschungsarbeit

Beispiel 31: Exposé-Inhalte

Beispiel 32: Mindmap

Beispiel 33: Erste Grobgliederung / Inhaltsverzeichnis

Beispiel 34: Einleitung

Beispiel 35: Problemstellung

Beispiel 36: Umformulierung von Beispiel 35:

Beispiel 37: Der aktuelle Forschungsstand

Beispiel 38: Der aktuelle Forschungsstand

Beispiel 39: Identifizierung der Forschungslücke

Beispiel 40: Identifizieren der Forschungslücke

Beispiel 41: Identifizierung der Forschungslücke

Beispiel 42: Ziel der Arbeit

Beispiel 43: Ziel der Arbeit

Beispiel 44: Fragestellungen und Annahme

Beispiel 45: Fragestellungen und Annahmen

Beispiel 46: Fragestellung und Hypothese

Beispiel 47: Methodische Überlegungen

Beispiel 48: Methodenwahl und Vorgehensweise

Beispiel 49: Methode und Vorgehensweise

Beispiel 50: Datenmaterial

Beispiel 51: Methode und Korpus der Untersuchung

Beispiel 52: Ziel und Beitrag zum Wissensstand der Forschungsgemeinschaft

Beispiel 53: Verknüpfung von Lücke und Beitrag

Beispiel 54: Lücke und Beitrag

Beispiel 55: Zu erwartende Ergebnisse und Grenzen der Untersuchung

Beispiel 56: Zeitplan

Beispiel 57: Zeitplan

Beispiel 58: Zeitplan

Beispiel 59: Zeitplan

Beispiel 60: Literaturliste nach „Harvard Style“

Beispiel 61: Literaturliste nach mit einer Aufteilung nach Primär- und Sekundärquellen

Beispiel 62: Literaturliste mit Klammern [ ] aus dem Fachbereich Wirtschaftsinformatik

Beispiel 63: Lebenslauf

Beispiel 64: Auszug aus einem Antrag für ein Doktoratsstipendium

Beispiel 65: Auszug aus einem Exposé für ein Stipendium für kurzfristiges wissenschaftliches Arbeiten im Ausland

Beispiel 66: Expected Impact – Innovations of the proposed project

Beispiel 67: Nationale und internationale Kooperationen

Einleitung

Dieser Ratgeber richtet sich an Studierende, die kurz vor ihrer Abschlussarbeit stehen, sowie an junge Forscherinnen und Forscher, die eine Förderung für ein Stipendium oder ein Forschungsprojekt beantragen wollen.

Für viele Abschlussarbeiten und Forschungsanträge müssen Sie zusätzlich zu einem Exposé einen sogenannten „Abstract“ verfassen. Dieser Abstract wurde früher weitgehend als Kurzfassung oder Zusammenfassung bezeichnet. Neben dieser Spezialform des Abstracts für Abschlussarbeiten wird der Begriff „Abstract“ hauptsächlich für andere Textsorten verwendet, die einer Zusammenfassung zwar ähnlich sind, aber darüber hinaus noch weitere Funktionen erfüllen, die wir im ersten Kapitel dieses Ratgebers ausführlich besprechen. Wir beginnen mit dem sogenannten „Paper“ oder „Article Abstract“, der einem wissenschaftlichen Artikel vorangestellt wird und an dem sich die meisten anderen Formen von Abstracts orientieren. Im Anschluss daran erhalten Sie eine genaue Anleitung zum Verfassen eines „Conference Abstract“, den Sie einreichen müssen, wenn Sie auf einer Konferenz einen Vortrag präsentieren möchten. Eine weitere Spielart des Abstracts, für den Sie in unserem Arbeitsbuch eine genaue Beschreibung finden, ist der sogenannte „Extended Abstract“, den Sie mitunter für eine geplante Publikation abgeben müssen. Abschließend erhalten Sie eine ausführliche Schreibanleitung für das Verfassen eines sogenannten „Thesis Abstract“, den Sie häufig brauchen, wenn Sie eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit abgeben. Alle hier besprochenen Formen des Abstracts werden anhand von Beispielen illustriert und von uns kommentiert. In den meisten Fällen handelt es sich um Best-Practice-Beispiele, also Beispiele mit Vorbildcharakter, die Ihnen dabei helfen sollen, die richtigen Formulierungen für das Verfassen Ihres Abstracts zu finden.

Von Studierenden, die eine Abschlussarbeit an einer wissenschaftlichen Institution verfassen, wie z. B. an der Universität, an einer Fachhochschule

[<<7] Seitenzahl der gedruckten Ausgabe

oder einer Pädagogischen Akademie, wird vor dem Verfassen dieser Arbeit ein erstes Konzept bzw. ein Exposé verlangt, in dem die wichtigsten Eckpunkte der geplanten Arbeit skizziert werden. Ein solches Exposé wird an manchen Institutionen bereits für Bachelorarbeiten, an den meisten wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen erst für Masterarbeiten oder Doktor- bzw. PhD-Arbeiten verlangt. Auf der Basis dieses Exposés entscheidet die Betreuerin bzw. der Betreuer – in manchen Fällen auch eine Kommission –, ob sich Inhalt und Umfang des gewählten Themas für die Abschlussarbeit eignen und ob die Bearbeitung dieses Themas den wissen­schaftlichen Qualitätsstandards des jeweiligen Fachbereichs entspricht.

Dabei liegt es auch in der Verantwortung der Betreuungsperson, die Studierenden beim Verfassen des Exposés zu beraten und ihnen unterstützend zur Seite zu stehen. Das zweite und zentrale Kapitel dieses Arbeitsbuchs beschäftigt sich daher eingehend mit dem Verfassen eines Exposés und gibt Ihnen eine genaue Anleitung, wie Sie ein gutes Konzept für Ihre Abschlussarbeit erstellen können. Dabei gehen wir einerseits auf die unterschiedlichen Studienniveaus ein, da für eine Bachelorarbeit natürlich noch nicht so viel an wissenschaftlicher Eigenleistung verlangt wird wie für eine Masterarbeit oder Doktor- bzw. PhD-Arbeit, und andererseits auf spezifische Anforderungen unterschiedlicher Fachdisziplinen. Um die Inhalte zu illustrieren, die Sie in einem Exposé darstellen müssen, verwenden wir Auszüge aus Beispielexposés. Dabei handelt es sich wie im ersten Kapitel zumeist um Best-Practice-Beispiele, die von uns kommentiert werden.

Das dritte und letzte Kapitel richtet sich vorwiegend an junge Forschende, die für die Finanzierung ihrer Forschungsarbeit Fördermittel beantragen möchten. Hier besprechen wir Doktoratsstipendien und Post-Doc-Förderungen für Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Da das Erfassen aller Fördermöglichkeiten im deutschsprachigen Raum den Rahmen dieses Ratgebers sprengen würde, konzentrieren wir uns dabei auf Förderungen im Bereich der Grundlagenforschung. Trotz der vorgenommenen Beschränkungen kann dieses Kapitel nur einen kleinen Ausschnitt aus den verschiedensten Fördermöglichkeiten für junge Forschende wiedergeben, der Ihnen allerdings dabei helfen soll, grundsätzlich zu verstehen, „wie

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die Fördermaschine läuft“. Dabei geben wir Ihnen Antworten auf die Fragen, wer gefördert werden kann, wer fördert, wie die Entscheidung über eine Förderung getroffen wird und was Sie beim Einreichen eines Förderantrags beachten sollten. Zusätzlich finden Sie auch hier wieder kommentierte Beispiele aus bewilligten Anträgen.

Unsere Anleitung für das Erstellen von Abstracts und Exposés, die internationalen Qualitätsstandards entsprechen, wurde im Rahmen unserer langjährigen Forschungs- und Lehrerfahrung an verschiedenen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien in Österreich und anderen Ländern entwickelt. Die Beispiele für Abstracts in diesem Ratgeber sind größtenteils veröffentlichte Texte, einige wenige wurden von uns für didaktische Zwecke erstellt. Die Beispiele für die Exposés sind nicht fiktiv, sondern wurden von Studierenden und jungen Forschenden verfasst. Sie wurden entweder im Internet veröffentlicht – in diesem Fall finden Sie eine Quellenangabe in der Fußnote – oder von Studierenden zur Verfügung gestellt, die unsere wissenschaftlichen Schreibkurse besucht haben. Je nach Wunsch der Studierenden wurden die Textbeispiele aus nicht veröffentlichten Exposés von uns im Ratgeber anonym behandelt oder die Autorinnen und Autoren wurden namentlich genannt. Manchmal mussten die Beispiele aus didaktischen Gründen von uns leicht adaptiert werden. Referenzen, die von den Verfasserinnen und Verfassern der Exposés in den Textbeispielen angeführt sind, werden in der Literaturliste des Ratgebers nicht erwähnt.

Wir möchten uns auf diesem Wege bei den Autorinnen und Autoren, die uns Beispiele zur Verfügung gestellt haben, herzlichst bedanken.

Birgit Huemer, Markus Rheindorf, Helmut Gruber

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1.     Abstracts im Wissenschaftsbetrieb

Der Begriff „Abstract“ stammt aus dem englischen Sprachraum und bezeichnet eine Gruppe von wissenschaftlichen Textsorten, denen gemeinsam ist, dass sie erstens vergleichsweise kurz und prägnant formuliert sind und zweitens sich auf einen weiteren Text beziehen, zu dem bzw. der sie in einem Verhältnis der „Abstraktion“ stehen, d. h., dessen Inhalt sie entweder in stark komprimierter Form wiedergeben oder auf den sie verweisen. Dieser Bezug betrifft im Fall des Paper Abstract bzw. Article Abstract den begleiteten wissenschaftlichen Artikel (unabhängig davon, ob es sich dabei nun um einen Forschungsbericht, einen bibliografischen Aufsatz oder eine theoretische Abhandlung handelt); im Fall des Conference Abstract besteht ein Bezug zu einem Konferenzbeitrag (wiederum unabhängig von der konkreten Textsorte Vortrag, Posterpräsentation usw.); im Fall des Extended Abstract kann es sich sowohl um einen Konferenz- als auch um einen zu publizierenden Beitrag oder Antrag handeln; der Thesis Abstract schließlich bezieht sich auf eine Qualifizierungsarbeit und wird mittlerweile von den meisten Universitäten bei Bachelor-, Master- und PhD-Arbeiten gefordert.1

Der englische Begriff „Abstract“ hat sich mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum als Bezeichnung durchgesetzt und konkurrierende, zuvor etablierte Begriffe weitgehend verdrängt. Diese Entwicklung hat

[<<11] Seitenzahl der gedruckten Ausgabe

nicht nur eine sprachenpolitische Dimension, sondern ist auch in der ganz konkreten Verwendung des Begriffes „Abstract“ bisweilen problematisch. So hat man an einigen Universitäten die geforderte „Kurzfassung“ für Abschlussarbeiten kurzerhand durch „Abstract“ über- bzw. ersetzt, ohne auf etwaige Unterschiede zwischen diesen Textsorten einzugehen oder darauf hinzuweisen. Warum ein Abstract nicht einfach eine Kurz- oder Zusammenfassung bzw. eine besondere Art davon ist, wird auf den folgenden Seiten ausführlich dargestellt.

Weil Abstracts häufig in englischer Sprache verlangt werden – selbst dann oder gerade dann, wenn der Text, auf den sie sich beziehen, eigentlich in deutscher Sprache verfasst ist –, werden im Folgenden neben deutschsprachigen auch englischsprachige Beispiele besprochen.

Die bereits eingangs angeführten unterschiedlichen Arten des ­Abstracts ähneln einander in wesentlichen Punkten, unterscheiden sich aber hinreichend, um bei Verwechslung zu Verwirrung und – im für Sie schlimmsten Fall – zur Ablehnung eines eingereichten Konferenzbeitrags oder Artikels zu führen. Sie werden daher im Folgenden in jeweils eigenen Abschnitten im Hinblick auf ihre Spezifika besprochen: Umfang, Aufbau und Struktur, Funktion bzw. Anlass, Zielgruppe und Ausrichtung sowie Stil.

Gemeinsam ist allen Formen des Abstracts, dass sie keine einfachen Zusammenfassungen eines Textes sind, insbesondere keine Zusammenfassungen einzelner Aspekte eines wissenschaftlichen Textes, wie z. B. Theorie, Methode oder Ergebnisse. Vielmehr haben sie eine in sich logische und motivierte Struktur. Die große Herausforderung beim Schreiben eines Abstracts ist es daher, dass es auf knappem Raum gelingen muss, inhaltlich präzise einen Ausblick zu geben, der gleichzeitig informativ ist und neugierig macht. Die einzuhaltenden Beschränkungen für Abstracts reichen von 100 bis zu über 1.000 Worten, je nach Art des Abstracts.

Ein paar allgemeine Tipps zum Verfassen jeder Art von Abstract:

Berücksichtigen Sie den Kontext – Zu welchem Anlass und Zweck schreiben Sie?

Gehen Sie auf das Zielpublikum ein – Welches allgemeine oder ­spezialisierte Fachwissen haben Ihre Leserinnen und Leser?

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Tragen Sie dem Inhalt des begleiteten Textes Rechnung – legen Sie unbedingt schon im Abstract offen, was die Leserinnen und Leser erwartet (z. B. theoretische Überlegungen, vorläufige Ergebnisse etc.).

Lesen Sie einige Beispiele für Abstracts aus dem jeweiligen bzw. einem vergleichbaren Kontext (z. B. Zeitschrift, Konferenz etc.).

Lesen Sie unbedingt die Richtlinien für das Einreichen bzw. Verfassen des Abstracts und befolgen Sie diese – nur in Ausnahmefällen und nach Rücksprache können Sie davon abweichen.

Folgen Sie den Formatierungsregeln für den Abstract – Ihr Text kann auch aus rein formalen Gründen abgelehnt werden.

1.1     Paper Abstract oder Article Abstract

Die am häufigsten publizierte Form des Abstracts begleitet einen konkreten Artikel, der ebenfalls von Ihnen verfasst wurde. In der Regel wird dieser Article Abstract oder auch Paper Abstract genannte Begleittext erst nach Fertigstellung und Annahme des eigentlichen Artikels verlangt. Es ist daher sinnvoll, ihn auch nicht vorher zu schreiben: Jede noch vorzunehmende inhaltliche Änderung im Artikel selbst kann es schließlich notwendig machen, den schon verfassten Abstract wieder umzuschreiben. In der überwiegenden Mehrheit aller Publikationen wird der Abstract vor bzw. über dem eigentlichen Artikel platziert, zunehmend selten auch nach dem Artikel. Steht er hinter dem Artikel, kann er die Funktion, Interesse bei den Leserinnen und Lesern zu wecken, nicht erfüllen.

Zusätzlich zum Abstract müssen Sie in der Regel außerdem eine beschränkte Anzahl von „Keywords“ angeben, d. h. inhaltliche Schlüssel­begriffe, nach denen Ihr Artikel verschlagwortet wird und aufgrund derer er von potenziellen Leserinnen und Lesern möglichst gut gefunden werden kann. Daher sollten die Schlüsselbegriffe präzise sein, relevante theoretische, methodische Aspekte sowie den Forschungsgegenstand benennen. Grobe Fach- oder Disziplinenbezeichnungen sind hingegen nur in Ausnahmefällen relevant, etwa wenn Sie in einer Zeitschrift publizieren, die stark interdisziplinär ausgerichtet ist. Umgekehrt gilt

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auch: Je stärker spezialisiert die Zeitschrift ist, desto weniger relevant ist eine Eingrenzung auf das jeweilige Wissenschaftsfeld in den Schlüssel­begriffen.

In gewisser Hinsicht ist der Abstract der wichtigste Teil eines Textes: Er ist nicht nur der zuerst gelesene Teil Ihres Artikels, sondern auch der am meisten gelesene Abschnitt. Er dient den Leserinnen und Lesern nicht so sehr als Einstieg in den Text – dies ist die Rolle der Einleitung –, sondern als Vorabinformation und Entscheidungshilfe, ob und inwiefern der Artikel für die jeweilige Leserin bzw. den Leser überhaupt lesenswert ist. Neben dem Titel, den Schlüsselbegriffen und dem tatsächlichen Gegenstand Ihrer Arbeit entscheidet also der Abstract maßgeblich darüber, ob und wie Ihre Arbeit rezipiert wird. Daher sollte ein Abstract unter keinen Umständen einen irreführenden, unvollständigen oder unklaren Eindruck vom Inhalt Ihres Artikels vermitteln.

Der Umfang von Abstracts, die Artikel begleiten, ist in der Regel streng begrenzt, wobei je nach Zeitschrift zwischen 100 und 150 Wörter akzeptiert werden. Im Rahmen eines dermaßen kurzen Textes ist für Einiges, was sonst in wissenschaftlichen Textsorten unverzichtbar ist, kein Platz. So fehlen Details und spezifische Angaben zu Daten und Quellen in der Regel ebenso wie Argumentation. Stattdessen beschränkt sich der Abstract inhaltlich auf einige zentrale Fragen, die die Forschungsergebnisse zum Teil nur indirekt betreffen: Warum ist der Forschungsbereich wichtig bzw. relevant? Welche Forschungslücken gibt es? Welche Theorien und Methoden wurden verwendet, welche Daten analysiert? Welche Ziele verfolgt Ihre Arbeit? Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Arbeit? Aufgrund der Platzbeschränkung in einem Abstract ist es bisweilen eine große Herausforderung, Antworten auf alle diese Fragen knapp und klar zu formulieren. Der stark konventionalisierte Aufbau des Abstracts dient als Grundgerüst für dieses Ziel.

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Wie ist ein Paper Abstract aufgebaut?

Der besondere Aufbau eines Abstracts – er unterscheidet ihn u. a. von der strukturell weniger differenzierten Zusammenfassung – dient dazu, die Leserinnen und Leser in den Bann zu ziehen und zum Weiterlesen anzuregen. Zu diesem Zweck folgt der Abstract im Groben dem Aufbau:

Verortung im Forschungsfeld

Aufzeigen der Forschungsnische

Besetzen der Nische

Dieser in sich geschlossene und motivierte Aufbau erlaubt es den Leserin­nen und Lesern, im Rahmen eines äußerst kompakten Textes wesentliche Schritte nachzuvollziehen – ohne dabei den Artikel selbst zu ersetzen. Wird einer der drei Schritte in dieser Struktur ausgelassen bzw. ihre Abfolge geändert, zerreißt dies die logische Verkettung der Schritte. Der erste Satz eines Abstracts sollte zum Thema hinführen, dabei allerdings nicht allgemeiner sein als notwendig. Für langatmige Einleitungen und Literaturhinweise, wie sie im Artikel selbst notwendig sein mögen, ist in einem Abstract kein Platz. Auch in diesem Punkt ist das Zielpublikum des jeweiligen Journals zu berücksichtigen.

Die Analyse zahlreicher Abstracts hat gezeigt, dass diese grobe Abfolge von Schritten sich auch im Detail nachzeichnen und aufschlüsseln lässt. Swales & Feak (2009) haben mögliche Strukturvariationen von ­Abstracts im sogenannten CARS-(„Creating a Research Space“-)Modell zusammengefasst.2

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Funktionen / Schritte

Umsetzung

Einen Forschungsbereich etablieren

Eine Nische etablieren

Eine Nische besetzen

In der Tabelle links finden sich die drei groben Schritte des Abstracts; rechts hingegen finden sich konkrete Möglichkeiten, wie diese groben Schritte umgesetzt werden können. Auch wenn es im Modell zahlreiche und / oder-Optionen gibt, werden in der Praxis nicht alle dieser Möglichkeiten verwendet. Das heißt z. B., dass die Funktion „Eine Nische etablieren“ oft mit nur einer der vier Umsetzungsmöglichkeiten realisiert wird.

Wie verorte ich meinen Beitrag im Forschungsfeld?

Der Bezug auf konkrete Forschung und / oder deren Ergebnisse im jeweiligen Feld ist für den ersten Schritt im Abstract unerlässlich. Sie können sich dabei auf Theorien, Methoden oder auch konkrete empirische Ergebnisse beziehen. Bezüge auf Denkrichtungen und etablierte Schulen sind ebenso möglich wie auf individuelle Forscherinnen und Forscher. Außerdem können Sie dies entweder in chronologischer Reihenfolge gestalten oder nach Bedeutung. Dabei ist es möglich, wenngleich nicht Standard, direkte Zitate zu benutzen; häufiger sind inhaltliche Zusammenfassungen und Verweise.

Die Verortung im Forschungsfeld kann gleichzeitig zeigen, dass bzw. inwiefern ein Forschungsbereich relevant, wichtig, problematisch oder

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aktuell ist. Typische Realisierungsformen hierfür sind Phrasen wie: Eine zentrale Fragestellung in …, Im Laufe der letzten 10 Jahre …, Aktuelle Studien beschäftigen sich mit … bzw. englisch Recently, there has been a growing interest in …, The development of […] is a crucial isssue …, This phenomenon has been investigated by many studies … usw. Für englischsprachige Formulierungen ist wichtig, dass in der Regel die Present Tense oder Present Perfect Tense (Beispiel 1 und 3) verwendet wird, da sie Relevanz für den gegenwär­tigen Zeitpunkt anzeigen, während die Past Tense (Beispiel 2) Dinge und Ereignisse in die Vergangenheit ohne direkten Gegenwartsbezug rückt. Da Ihre Forschungsarbeit in der Gegenwart Relevanz hat, sollten Sie dies auch unbedingt durch die entsprechende Zeitform ausdrücken.

Beispiel 1: Recent studies conducted in the U. S. show that 33 % to 46 % of women report […]. (>>Beispielübersicht)

Beispiel 2: This approach was abandoned when it became clear that […] (>>Beispielübersicht)

Beispiel 3: This method was introduced in the 1970’s, and has proved remarkably successful. (>>Beispielübersicht)

Wie etabliere ich eine Nische?

Mit dem Begriff „Nische“ benennen Swales & Feak im CARS-Modell jene Lücke in der bisherigen Forschung, zu deren Schließung Ihr Artikel beitragen soll. Es kann sich dabei natürlich auch um ein „Problem“, eine „Frage“ oder einen „blinden Fleck“ handeln; die Begrifflichkeiten der Disziplinen sind hier verschieden. Oft ist eine solche Lücke wesentlich größer als der Beitrag, der mit einem einzelnen Artikel geleistet werden kann. Ungeachtet dessen muss sie möglichst eindringlich aufgezeigt werden, ohne die Erwartung zu wecken, dass der folgende Artikel sie vollständig beseitigt, das Problem endgültig löst oder die Frage abschließend beantwortet. Konkrete Formulierungen zur Benennung einer Lücke sind u. a. Allerdings haben wenige Studien bisher…, Die meisten Untersuchungen haben sich auf […] konzentriert, dabei aber […] vernachlässigt …, Bisher wurde vor allem […] betont oder englisch However, little research …, Most

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studies have focused on …, These studies have emphasized […] and neglected … und ähnliche mehr. Gemeinsam ist all diesen Formulierungen eine klare Benennung des Forschungsdesiderates, das Sie aufzeigen und mit Ihrer Arbeit (zumindest teilweise) beseitigen wollen.

Wie besetze ich die Nische?

Ist die Nische erst benannt, ist es unerlässlich, sie auch zu besetzen. Keinesfalls sollten Sie ein Abstract damit abschließen, dass Sie eine Forschungslücke bemängeln, ohne jedoch aufzuzeigen, dass und wie Sie zu Ihrer Schließung beigetragen haben. Zunächst ist es wichtig, die eigene Forschung entweder in Form der Ziele oder ihrer spezifischen Art zu umreißen: Handelt es sich um Grundlagenforschung, konzeptuelle Entwicklungsarbeit oder Feldforschung? Soll die Lösung für ein Problem gefunden, eine Frage beantwortet oder Wissen über ein neues Phänomen gewonnen werden? Ebenso unerlässlich ist es, dass Sie im Abstract auf Ihre wichtigsten Ergebnisse hinweisen und diese knapp benennen. Je nach Stand der Arbeit können dies auch vorläufige Ergebnisse sein. Beispiele für konkrete Formulierungen sind Die vorläufige Analyse der Daten legt die Schlussfolgerung nahe …, Die vorliegende Auswertung zeigt, dass … oder englisch Preliminary results indicate that …, The analysis shows that … und ähnliche mehr.

Wie setze ich all dies in wenigen Worten um?

Die folgenden beiden Beispiele zeigen, wie ein Abstract auf knappem Raum alle wesentlichen Schritte erfüllen und dabei auch die beschriebenen Konventionen einhalten kann. Der folgende, hier auf Wunsch des Autors nur anonym wiedergegebene Abstract mit dem Titel „Textsorten und Sprachwandel“ aus dem Fachbereich Sprachwissenschaft setzt die drei wesentlichen Schritte in jeweils einem, einem und zwei Sätzen und in Summe in 86 Wörtern um.

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Beispiel 4: Sprachwissenschaftlicher Abstract (>>Beispielübersicht)

[Forschungsbereich etablieren] „Textsorte“ ist eines der erfolgreichsten und produktivsten Konzepte der neueren Textlinguistik, auch wenn bis dato keine einheitliche Definition des Konzeptes vorliegt. [Nische etablieren] Zahlreiche Studien haben den historischen Wandel einzelner Textsorten nachgezeichnet, vernachlässigt wurde jedoch die Frage, welche Rolle Textsorten – und ihr Wandel – im allgemeinen Sprachwandel spielen. [Nische besetzen] Der vorliegende Artikel nähert sich dieser Fragestellung im Rahmen einer Pilotstudie zum Wandel des österreichischen Deutsch seit 1970 anhand von Analysen vierer Textsorten. Dabei werden generelle Trends ebenso sichtbar wie textsortenspezifische Muster und Entwicklungen, die zum Teil in entgegengesetzte Richtungen verlaufen.

Keywords: Sprachwandel, Textsorte, Genre, österreichisches Deutsch

Auch im folgenden Abstract des Artikels „Deep resequencing of GWAS loci identifies independent rare variants associated with inflammatory bowel disease“ aus dem Fachbereich Genetik gelingt es, die logisch motivierte Struktur effizient umzusetzen.3 Anders als im obigen Beispiel liegt hier aber ein deutlicher Fokus auf den eigenen Ergebnissen, was für Abstracts in diesem und anderen naturwissenschaftlichen Fachbereichen typisch ist, wenn der Artikel ein „Research Article“ ist.

Beispiel 5: Naturwissenschaftlicher Abstract (>>Beispielübersicht)

[Forschungsbereich etablieren] More than 1,000 susceptibility loci have been identified through genome-wide association studies (GWAS) of common variants; [Nische etablieren] however, the specific genes and full allelic spectrum of causal variants underlying these findings have not yet been defined. [Nische besetzen] Here we used pooled next-generation sequencing to study 56 genes from regions associated with Crohn’s

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disease in 350 cases and 350 controls. Through follow-up genotyping of 70 rare and low-frequency protein-altering variants in nine independent case-control series (16,054 Crohn’s disease cases, 12,153 ulcerative colitis cases and 17,575 healthy controls), we identified four additional independent risk factors in NOD2, two additional protective variants in IL23R, a highly significant association with a protective splice variant in CARD9 (P < 1 × 10 – 16, odds ratio ˜ 0.29) and additional associations with coding variants in IL18RAP, CUL2, C1orf106, PTPN22 and MUC19. We extend the results of successful GWAS by identifying new, rare and probably functional variants that could aid functional experiments and predictive models.

Anders gestaltet ist der folgende Abstract des Artikels „Genome-wide association study of flowering time and grain yield traits in a worldwide collection of rice germplasm“, der ebenfalls aus dem Fachbereich Genetik stammt.4 Hier wird die Nische nicht benannt bzw. explizit gemacht und damit eine Strukturvariante gewählt, die vor allem in hochspezialisierten Zeitschriften zu finden ist.

Beispiel 6: Naturwissenschaftlicher Abstract (>>Beispielübersicht)

[Forschungsbereich etablieren] A high-density haplotype map recently enabled a genome-wide association study (GWAS) in a population of indica subspecies of Chinese rice landraces. [Nische besetzen] Here we extend this methodology to a larger and more diverse sample of 950 worldwide rice varieties, including the Oryza sativa indica and Oryza sativa japonica subspecies, to perform an additional GWAS. We identified a total of 32 new loci associated with flowering time and with ten grain-related traits, indicating that the larger sample increased the power to detect trait-associated variants using GWAS.

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