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Jesus - echt, unecht oder bearbeitet?

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Ein überraschend neues Jesusbild leuchtet auf und ein neues Verständnis seiner Worte stellt sich ein, wenn exegetisch analysierend unterschieden wird, was im überlieferten Jesus-Stoff relativ echt und unverändert von Jesus herkommt und was deutlich unecht oder sichtlich nachträglich überarbeitet ist.

In synoptischem Dreispaltendruck werden die ersten drei Evangelien vollständig wiedergegeben; hierfür wurde der Text des Matthäus, Markus und Lukas mit acht verschiedenen Farbstufen eingefärbt, je nach Wahrscheinlichkeit der Herkunft bzw. des Alters und der Echtheit. Der Text kann fortlaufend gelesen und zugleich differenziert wahrgenommen werden; abschnittsweise beigefügte Erklärungen erläutern die getroffenen Unterscheidungen.

Auch einem Leser, der an manchen Stellen anders urteilt, eröffnen sich frappierende Einblicke in die Kleingliedrigkeit des synoptischen Evangelienstoffes und seine hinter der Endgestalt sichtbar werdende komplexe Entstehungsgeschichte.

Der Jesus der ‚echten‘ Abschnitte, die nicht selten wie Edelsteine aus dem umgebenden Material herausleuchten, redet zeitlos souverän und klar in seelenkundigen Weisheitsworten voller Menschenliebe und Gottvertrauen, stellt in Gleichnissen und einprägsamen Sprüchen, die noch nicht von Gerichts- und Weltuntergangsdrohungen übermalt sind, vielfältig positive Verhaltens- und Denkmodelle vor und wirbt für ein vertrauensvolles und geschwisterliches Zusammenleben der Menschen unter einem gütigen Gott.

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Günter Unger ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und lebt in Augsburg

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Jesus als Reformator

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Jesus wollte kein Religionsstifter sein, sondern ein Reformator. Es war seine eigene Religion, die er zu verändern trachtete, gerade weil er ihr mit ganzer Hingabe angehörte. Manche seiner kraftvollen Aussprüche lassen erstaunlich weitreichende Reformziele erkennen. Die Urchristenheit hat sich jedoch einige dieser Ziele letztendlich nicht dauerhaft oder nur abgeschwächt zu eigen gemacht.

Eine historisch-kritische Auslegung des in den Evangelien an manchen Stellen überlieferten engen Miteinanders von Reform-Sprüchen Jesu, urchristlicher Abmilderung und christologischer Einfärbung eröffnet sowohl Einblicke in das bis heute unausgeschöpfte Reformpotential der Lehre Jesu wie in die Interessenlage der Urchristenheit oder der Evangelisten und auch in den Übergang von der Lehre Jesu zur Lehre über Jesus. Impulse für christliches Umdenken und kirchliche Reformschritte in der Gegenwart springen implizit unweigerlich dort ins Auge, wo das Reformatorische an Jesus in den Blick tritt.

Besprochen werden Reform-Worte Jesu zu den Sabbat- und Reinheitsgeboten, zum Fasten, zur Frage von Schuld und Vergebung, zum Religionsgesetz generell und den ihm überlegenen Leitmodellen, zum Tempel und zum Opferkult; zwei weitere Kapitel beschreiben Jesu Ansage der gegenwärtigen Gottesherrschaft und seine Absage an die Apokalyptik.

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Günter Unger ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und lebt in Augsburg

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