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Archipoeta

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Der Archi­poeta wird auf Rainalds Geheiß versorgt und beherbergt, nimmt das nicht immer wahr, singt für andere, solange der Erzbischof fort ist – und unternimmt einige Dinge, die er nicht vorhat, dem hohen Herrn zu verraten. Wer kann widerstehen, wenn er nicht gerade ein Heiliger ist? Der Wein der Tavernen ist nicht so edel wie der auf Rainalds Tafel, aber unverdünnt. Beim Spiel gewinnt er einmal ein Obergewand, verliert es kurz darauf wieder.

Wein und Spiel machen zugleich lustig und müde und wecken die Sehnsucht nach älteren Genüssen. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Zwar darf es so nicht zugehen, aber wie soll er sich wehren gegen die Übermacht einer schier allmächtigen Venus?

Der Mittagsdämon sucht ihn heim in Gestalt von Wirtstöchtern und Dirnen und einmal in Gestalt einer edlen Frouwe, als er Gelegenheit bekommt, vor einem Adligen zu singen.

Er singt einige Minnelieder. Besonders gefällt ihm dergleichen nicht, aber Hausherr und Gäste sind begeistert, und die Frouwe lächelt ihm sehr liebenswürdig zu. Nach einem Becher Wein singt er ein Scherzlied, dann ein weiteres Minnelied – diesmal aber von der niederen Minne, der greifbaren. Die Frouwe unterdrückt ein Kichern, der Herr sieht einen Augenblick fast entrüstet aus, lacht dann los: „Nur weiter so, Sänger!“

Er singt weiter, Lateinisch nun, was der Hausherr einigermaßen versteht, einige Gäste auch, und die anderen haben ihre Freude an den mitreißenden Melodien. Die Frouwe lächelt.

Die Gefahr peitscht seine Sinne auf, als die Frouwe in das kleine Gemach kommt, das ihm für die Nacht überlassen wurde. Sie öffnet die Tür in dem Augenblick, als er sich das Hemd über den Kopf ziehen will.

„Verzeih, edle Frouwe.“

„Lass dich nicht stören, Sänger.“

Im Roman sind die Lieder des Archipoeta in deutscher Übertragung enthalten. Die lateinischen Originaltexte stehen im Anhang.

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Jahrgang 1962, beheimatet in Berlin und in der katholischen Kirche, Dichterin, Bloggerin, Rezitatorin.

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Hymnarium

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Dies Buch ist keine vollständige Hymnensammlung; ich habe nur ei­nige der schönsten Hymnen aus dem Schatz der katholi­schen Kirche übertragen. Dabei kopiere ich nicht immer das Metrum der Origina­le. Auf Reime verzichte ich, da das Lateini­sche viel reimfreudiger ist als das Deutsche und eine Kopie des Reimschemas oft gezwungen klingt.

Zwei der hier vorgestellten Werke sind keine Hymnen, keine Preis­lieder, – das 24. Lied der Carmina Burana handelt von der Hinfällig­keit der Welt, und Omnis mundi creatura des Alanus ab Insulis be­schreibt die Vergänglichkeit des Menschen. Beide Lieder beinhalten die Aufforderung zu einem christlichen, von materiellen Werten un­beeindruckten Leben. Ich habe sie aufge­nommen, weil ich auch hier­in eine Form des Gotteslobes sehe – und weil ich sie schön finde und sonst nicht weiß, wohin damit.

Das mittelalterliche Latein wurde anders geschrieben als das klassi­sche; so wurden æ und œ zu e, t und c vor hellen Vokalen zu z. Die klassische Schreibweise ist aber seit der Renaissance wieder üblich und wird (leider) auch im Brevier und im Gra­duale angewandt. Da­durch ist sie vielen Lateinkundigen weit geläufiger als die Schreib­weise der Originale, und so habe ich sie widerwillig übernommen.

Die Doxologien am Ende einiger Hymnen sind spätere Zutaten; ich habe die Doxologien nur dort übernommen, wo sie vermut­lich schon im Original verwendet wurden.

Ich habe im übrigen bei allen Hymnen versucht, spätere Textabwei-chungen zu vermeiden, habe aber weder die Fähigkeit noch die Zeit, hier noch größere Pingelei aufzuwenden als bei Wortwahl und Me­trum meiner Übertragungen.

Nach den vielen lateinischen Hymnen bilden den Abschluss dieser Sammlung drei Gesänge in neueren Sprachen. Zu Wort kommen die Kirchenlehrer Alfonso Maria de Liguori und Thérèse de Lisieux so­wie eine fast unbekannte Autorin des 19. Jhs., C. Maude Battersby.

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Jahrgang 1962, beheimatet in Berlin und in der katholischen Kirche, Dichterin, Bloggerin, Rezitatorin.

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Gut Nacht

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Gut Nacht, ich leg mich nieder,

Und morgen komm ich wieder

Zur facebook-Vanitas.

In Gottes Hand geborgen

Schlaft ihr auch sanft bis morgen.

Auf Ihn allein ist ja Verlass.

*

Gut Nacht in Näh und Ferne!

Am Himmel funkeln Sterne,

Im Haus brennt Lampenlicht.

Es legt sich das Getue,

Ich lege mich zur Ruhe,

Bis mir ein neuer Tag anbricht.

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Jahrgang 1962, beheimatet in Berlin und in der katholischen Kirche, Dichterin, Übersetzerin der lateinischen Sprache, Bloggerin, Rezitatorin.

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Zyklische Sonette

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Sonette in acht Zyklen, die ersten beiden zu genau entgegengesetzten Themen - sieben Gaben des Heiligen Geistes versus sieben Todsünden, wobei ich hoffentlich keinen Zweifel lasse, was ich besser finde.

Dem kleinen Zyklus über das Sakrament der Versöhnung folgen fünf Sonettenkränze mit den Titeln Jesus, Advent, Eucharistie, Geistfeuer, Marienleben.

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Jahrgang 1962, beheimatet in Berlin und in der katholischen Kirche, Dichterin, Übersetzerin der lateinischen Sprache, Bloggerin, Rezitatorin.

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Die Befreier

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Dreizehn kurze Geschichten über Dinge, die besser nicht geschehen wären - teils realistisch, teils dystopisch, mit Gruselanteilen.

Auszug:

Bundeswehrhubschrauber kreisten anderntags über der Stadt. Bundespräsident und Bundeskanzlerin hielten ernste Reden, sprachen den Opfern ihren Respekt und den Angehörigen ihr Beileid aus und mahnten, die Anweisungen der Sicherheitskräfte zu befolgen und Ruhe zu bewahren, wiederholten im Wesentlichen die Ratschläge der Polizei. Stündlich wurde berichtet, in welchen Bezirken Großkatzen und Bisons gesichtet worden waren. Teltowkanal, Spree und Havel wurden zu Gefahrenzonen erklärt wegen der Krokodile und Alligatoren. Ein Sprecher von Greenpeace äußerte sich bestürzt und prognostizierte verheerende Folgen für die Fischpopulation. Die blieben allerdings aus; bisher fügen sich die Gäste gut ins Ökosystem ein.

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Diesmal ist es eine Sammlung von Kurzgeschichten, zum Teil mit phantastischen Elementen, zum Teil mit Zügen dystopischer Science Fiction, meist angereichert mit einer beträchtlichen Portion schwarzen Humors. Und siehe da: Das kann sie auch!

(Was für mich persönlich zugegebenermaßen keine so große Überraschung war, zumal ich einen Teil der Geschichten bereits bei Lesungen in einer Bar in einem ehemals besetzten Haus in Friedrichshain hören durfte. Sie passten gut ins Ambiente und kamen beim Publikum ausgezeichnet an.)

"Die Befreier - 13 Geschichten von Verwandten, Nachbarn und anderen Dämonen" hat Claudia ihr neues Buch genannt; und gerade der Untertitel ist ausgesprochen treffend gewählt. Dämonisch geht es in vielen der Geschichten zu. Mal sitzt der Dämon leibhaftig, komplett mit schwarzem Pelz und Spalthuf, auf dem Schreibtisch und versucht einer um Fassung bemühten Briefschreiberin Bosheiten in die Feder zu diktieren; mal tarnt er sich als Sachbearbeiter einer obskuren Behörde oder als Gastgeberin einer Wohltätigkeitsveranstaltung; und manchmal steckt er auch in den Objekten selbst, sei es in einem Fahrrad, das, mit genmanipuliertem Pflanzenöl geschmiert, ein unberechenbares und höchst aggressives Eigenleben entwickelt, oder in einem antiken Füllfederhalter, den die Ich-Erzählerin als Erbstück von einem exzentrischen Verwandten erhalten hat.

Im Vergleich zu solcher Phantastik kommen andere Geschichten des Bandes ganz realistisch und zum Teil sogar fast alltäglich daher; aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Auch hier gibt es praktisch immer einen doppelten Boden. Man kann sagen, das verbindende Element aller dreizehn Texte ist eine gewisse Abgründigkeit. Die Hauptcharaktere der zum überwiegenden Teil in Ich-Form erzählten Geschichten befinden sich - teils mehr, teils weniger offensichtlich - in Grenzsituationen. Es geht immer um Alles. Und extreme Situationen erfordern eben auch extreme Maßnahmen. Dass eine Ich-Erzählerin darüber phantasiert, einem unangenehm jovialen Onkel vor versammelter Verwandtschaft eine volle Kaffeekanne an den Kopf zu werfen, ist da vergleichsweise noch der leichteste Fall.

Einen Teil der Geschichten siedelt die Autorin in einer möglichen nahen Zukunft an - und die sieht nicht rosig aus: Da soll nach der Wiedereinführung der Todesstrafe eine arbeitslose Metzgerin zur Henkerin umgeschult werden; da wandeln sexuell gehemmte Wissenschaftler auf Frankensteins Spuren, um sich durch Genmanipulation die perfekte Partnerin zu "erschaffen"; da bringen militante Tierbefreier, ohne selbst die Konsequenzen ihres Handelns zu überschauen, die Zivilisation zu einem mindestens partiellen Zusammenbruch. In diesen Zukunftsvisionen, ebenso aber auch in einigen der anderen Texte der Sammlung artikuliert sich ein starkes Interesse der Autorin an ethischen Fragen - gepaart mit einem nicht geringen Maß an Skepsis gegenüber gewissen Erscheinungsformen des wissenschaftlich-technologischen und gesellschaftlichen "Fortschritts". Nicht nur in diesem Zusammenhang spielt auch der katholische Glaube der Autorin immer wieder eine Rolle in ihren Geschichten - mal ganz offen, mal eher durch die Hintertür.

Nicht zuletzt dank ihrer präzisen, Klischees und Plattitüden gekonnt vermeidenden Sprache gelingt Claudia Sperlich die Balance zwischen Unterhaltung und Tiefsinn. Der 108 Seiten umfassende Band liest sich schnell und leicht, hinterlässt aber Eindruck.

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Jahrgang 1962, beheimatet in Berlin und in der katholischen Kirche, Dichterin, Übersetzerin der lateinischen Sprache, Bloggerin, Rezitatorin.

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