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Aus gegebenem Anlass

tredition


Seit dem Ende der Aufklärung hatte die kulturelle Elite in Deutschland lange ein äußerst problematisches Verhältnis zum Politischen. Das zeigte sich nicht zuletzt in der abschätzigen Einstellung zu politischer Kunst. Dennoch gibt es im deutschen Sprachraum die Tradition engagierter Literatur, auch politischer Lyrik. Sie geht zurück auf das hohe Mittelalter, die Reformationszeit sowie auf die Arbeiter- und die Friedensbewegung. Für die Bundesrepublik lassen sich Erich Fried und Franz Josef Degenhardt nennen, für die DDR Franz Fühmann, Peter Hacks, Heiner Müller und Volker Braun.

Rudolph Bauers Gedichtband ist vielfach mit dieser Tradition verbunden. Bereits der Titel Aus gegebenem Anlass gibt die operative Programmatik vor. Formal und inhaltlich schließen die Gedichte an klassische Vorbilder der situationsgebundenen Dichtung an: in ihrer Prägnanz und dem packenden Zugriff des Verfahrens, der Einfachheit und Konkretion von Stil und Strophenform. "Es ist eine Einfachheit, die die Komplexität einschließt", bemerkt Literaturwissenschaftler Thomas Metscher in einem erklärenden Essay am Schluss des Gedichtbandes.

Bauers Poesie verbindet Gegenwärtiges und Vergangenes. Treffend verweist Metscher darauf, wie ungebrochen die in den Texten zum Ausdruck gebrachte Macht der Tradition hineinwirkt in unsere Gegenwart. Dieser Gesichtspunkt berühre das Herzstück der Texte: "Immer wieder und immer neu geht es um die Gegenwart des Vergangenen: die Kontinuität von Militarismus, imperialer Gewaltpolitik und die Rolle der Ideologien in ihnen; von Kolonialismus, Faschismus, ihrer Restauration in der Bundesrepublik Deutschland."

Es geht nicht mehr nur um das Hier und Jetzt der deutschen Gegenwart als Wiederkehr von Vergangenem. Die lyrische Bedeutung der Gedichte erschließt grenzüberschreitend Bilder und Gedanken sowohl aus dem Erfahrungsarchiv anderer Kulturen als auch des Zukünftigen. Indem die utopische Dimension aufscheint, überwindet politische Dichtung das Hier und Jetzt.

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Rudolph Bauer: Politikwissenschaftler, Autor und bildender Künstler. Geboren in Amberg (Oberpfalz), lebt in Bremen.

Studium u. a. der Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an den Universitäten in München, Erlangen, Frankfurt am Main und Konstanz. Promotion (Dr. phil.), Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungstätigkeit in Heidelberg, Offenbach/Main und Gießen. Professur an den Universitäten in Gießen und Bremen (1972-2002); Sprecher des Instituts für Lokale Sozialpolitik und Nonprofit-Organisationen. Auslandsaufenthalte 1979/80 am Fremdspracheninstitut in Beijing/China und 1989 am Institute for Policy Studies der Johns Hopkins Universität in Baltimore/USA. Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.

Wissenschaftliche Buchveröffentlichungen: „Wohlfahrtsverbände in der Bundesrepublik“ (1978), „Obdachlos in Marioth“ (1980), „Die liebe Not“ (1984), „Organisierte Nächstenliebe“ (mit Hartmut Dießenbacher, 1986), „Verbandliche Wohlfahrtspflege im internationalen Vergleich“ (mit Anna-Maria Thränhardt, 1987), „Lexikon des Sozial- und Gesundheitswesens“ (3 Bände, 1992), „Personenbezogene Soziale Dienstleistungen“ (2001), „Wir befinden uns mitten im Krieg“ (2014), „Kriege im 21. Jahrhundert“ (2015).

Acht Gedichtbände, u. a. "Widerton" (1986), "Ätze terra" (1989), "tanger und anderorts" (2006), "SchutzSchirmSprache" (mit Cartoons von Lothar Bührmann, 2010), "Flugschriftgedichte" (2013). Mitglied des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Seit 1983 Kunstausstellungen, u. a. in Bremen, Bremerhaven, Göttingen, Kürten-Forsten bei Köln, Bergisch-Gladbach, Berlin, Frankfurt am Main, Burg Rezel/Polen und Auroville/Indien. Der Katalog „Rüste-Wüste“ (mit Texten von Hartmut Drewes, 2016) zeigt neue künstlerische Arbeiten mit militarismuskritischen Bildmontagen. Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler.

www.rudolph-bauer.de

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